Gesellschaft

Anrainer von Deponieplänen irritiert

Bei Tösens soll eine 12,5 Hektar große und sechs Meter hohe Aushubdeponie für das Innkraftwerk GKI entstehen. Das Land hat die Wiesen als Vorbehaltsfläche sowie als gelbe und rote Zone ausgewiesen.

Von Helmut Wenzel

Tösens, Serfaus, Pfunds –Ältere Tösner wissen noch von Überschwemmungen am Talboden zwischen den Weilern Tschuppbach und Schönegg (beide Gemeinde Serfaus) zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. „Einmal kam eine große Mure vom Tösner Bach. Da sind die Wiesen bei Schönegg vom Inn überschwemmt worden. Man hätte mit einem Boot fahren können“, schildert Josef Senn (92), der älteste Bewohner von Tösens.

Im Kartendienst des Landes, Tiris, ist das Gebiet spätestens seit dem Jahr 2013 sowohl als Vorbehaltsfläche sowie als gelbe und teils rote Gefahrenzone ausgewiesen. Markus Federspiel, Leiter des Sachgebietes Schutzwasserwirtschaft und Gewässerökologie im Amt der Tiroler Landesregierung, erläutert: „Das heißt, Verbauungen oder Veränderungen der Oberfläche sind hier nur unter Vorbehalten bzw. Auflagen möglich.“

Laut Gefahrenzonenplan des Landes, der von 2009 bis 2013 neu erstellt worden ist, handelt es sich um gelbe und teilweise rote Zonen, die bereits bei einem „30-jährigen“ Hochwasser überflutet werden könnten.

In einigen Jahren könnte sich das Landschaftsbild an der Reschenstraße zwischen Tösens und Pfunds gewaltig verändern. Der Kraftwerksbetreiber GKI GmbH will dort nämlich eine Bodenaushubdeponie errichten. Das Ausbruchmaterial des 23 Kilometer langen Druckstollens soll zwischen Tschuppbach und Schönegg deponiert werden. Die vorgesehene Fläche ist 12,5 Hektar groß, die Wiesen sollen durchschnittlich sechs Meter aufgefüllt werden – bis zur Oberinntalstraße L 65. Die nötigen Auflagen für den Kraftwerksbetreiber – wie etwa die Rekultivierung der Flächen – sind laut GKI klar festgeschrieben.

Der Serfauser Bürgermeister Paul Greiter bestätigt die ausgewiesene Deponiefläche: „Sie ist 2010 im Zuge des Umweltverfahrens verhandelt worden. Ich erinnere mich, dass alles sehr aufwändig war.“ Die Gemeinde Serfaus habe den Kraftwerksbetreibern lediglich eine Dienstbarkeit für einen öffentlichen Weg eingeräumt. „Der Rest ist Privatsache, die Nutzung und Abgeltung der Flächen ist mit den Besitzern verhandelt worden“, sagte Greiter.

Seinem Tösner Amtskollegen Helmut Kofler sind diverse Widersprüche ein Dorn im Auge: „Einerseits soll eine Massendeponie errichtet werden, andererseits hat das Land gelbe und rote Flächen ausgewiesen. Bei einer Überflutung des Inn ist auch Mariastein betroffen, wo die Baustelle eingerichtet werden soll.“ Man müsse sich fragen, was bei einem 100-jährigen Hochwasser passiert. „Da wird die Reschenstraße überflutet. Wir haben dann ein Szenario, wie wir es voriges Jahr in Kössen gesehen haben, auch im Raum Prutz-Ried und in Schönwies.“

Vor diesem Hintergrund sind Anrainer in den betroffenen Weilern hellhörig geworden. „Ich habe keine Ahnung, wie viele Kubikmeter Material bei uns aufgeschüttet werden sollen“, zeigt sich ein Bewohner in Schönegg irritiert. Mehrfach klagen Anrainer am Talboden, man habe sie über die Deponie nicht oder nur unzureichend aufgeklärt.

Einer der Grundbesitzer (Name der Red. bekannt) lässt das nicht gelten: „Ich bin sicher kein Befürworter des Kraftwerks. Aber es hat jeder von uns die Möglichkeit gehabt, sich die Infos zu holen, zum Beispiel in der Gemeinde Pfunds.“ Wie sich die Baustellenbelastung auf die Region auswirken werde, könne er allerdings nicht sagen. „Aber wenn die Flächen für die spätere landwirtschaftliche Nutzung rekultiviert werden, dann wird man das akzeptieren müssen.“

Hubert Patsch von der Bürgerinitiative „Dem Inn eine Stimme“ hat viele Jahre gegen das GKI-Projekt gekämpft. Durch die jüngsten Irritationen sieht er sich bestätigt: „Einmal mehr zeigen sich Widersprüche am laufenden Band. Dass sich die Konzerne mit Behördenhilfe letztlich durchgesetzt haben, war leider zu erwarten.“

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