Tod von 15-Jährigem löst neue Straßenschlachten aus
Nach neun Monaten im Koma verstarb Berkin Elvan, der vergangenen Sommer von einer Tränengasgranate der Polizei am Kopf getroffen worden war. Landesweit kam es zu neuen Protesten, mindestens 150 Menschen wurden verhaftet.
Istanbul - Im Zuge neuer regierungskritischer Proteste in der ganzen Türkei sind örtlichen Medien zufolge mehr als 150 Demonstranten festgenommen worden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Dogan wurden bei gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei am Dienstagabend rund 20 Demonstranten verletzt.
Zwei Demonstranten seien im südlich gelegenen Mersin und in Istanbul von Polizeifahrzeugen touchiert und schwer verletzt worden. In Istanbul wurde demnach auch ein Polizist verletzt.
Ausgelöst wurden die Proteste in rund 30 Städten des Landes durch den Tod eines vor neun Monaten bei Protesten verwundeten Jugendlichen. Die Polizei setzte am Dienstag Tränengas und Wasserwerfer gegen rund tausend Demonstranten vor dem Istanbuler Krankenhaus ein, in dem der 15-jährige Berkin Elvan nach 269 Tagen im Koma gestorben war. Protestierende warfen Steine auf einen Polizeibus und entwendeten Helme und Schilde.
Der Jugendliche war damals auf dem Weg zum Bäcker, als er bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten zwischen die Fronten geriet. Eine Tränengasgranate der Polizei traf ihn am Kopf. Die Mutter des Buben machte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan für den Tod ihres Sohnes verantwortlich. Erdogan hatte die Polizisten während der Proteste als „Helden“ bezeichnet.
Nach der Nachricht vom Tod des Buben, dessen Schicksal in der Türkei zu einem Symbol für das harte Vorgehen der Polizei gegen die Proteste geworden ist, gab es Demonstrationen in zahlreichen weiteren Städten.
Auch in Ankara ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen rund tausend Studierende vor der Technischen Universität vor, die mit Fotos des toten Berkin in den Händen eine wichtige Verkehrsader blockierten. Proteste mit Sprechchören gegen Erdogan gab es unter anderem auch in Izmir, Antalya und Eskisehir. (APA/AFP)