Das Rennen um die Burg-Nachfolge ist eröffnet
Der neue Burgtheater-Direktor soll 2015/16 beginnen. Der entlassene Hartmann sah im Misstrauensvotum des Ensembles den „Todesstoß“.
Wien –Heute Donnerstag befasst sich der parlamentarische Kulturausschuss das erste Mal mit dem Burgtheater-Skandal und den beiden fristlosen Entlassungen von Direktor und Vizedirektorin. Geladen sind unter anderem der entlassene Künstlerische Direktor Matthias Hartmann, der Kaufmännische Direktor Thomas Königstorfer sowie Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer.
Der Spielbetrieb an der „Burg“ soll unterdessen nicht von den jüngsten Ereignissen beeinträchtigt werden: Premieren und aktuelle Inszenierungen würden unbeeindruckt von personellen und finanziellen Entscheidungen über die Bühne gehen, versicherte der Kaufmännische Geschäftsführer Thomas Königstorfer am Mittwoch. Auch der Spielplan der kommenden Saison bleibe aufrecht.
Der nächste Burgtheater-Direktor bzw. die erste Burgtheater-Direktorin soll 2015/16 beginnen. „Wir brauchen dafür eine Spitzenkraft. Die sind aber meist vertraglich woanders gebunden. Wir sollten daher flexibel sein: Lieber ein halbes Jahr früher oder später, dafür aber die beste Lösung.“ Das sagt der neue Vorsitzende des Burgtheater-Aufsichtsrats, Christian Strasser, am Mittwoch.
Für den Museumsquartier-Chef, der am Donnerstag den Aufsichtsrats-Vorsitz von Holding-Chef Georg Springer übernommen hat, stehen drei Dinge im Zentrum seiner Bemühungen in der neuen Funktion: „Volle Aufklärung, finanzielle Stabilität und Wiederherstellung der Sicherheit im Ensemble.“ In dem allmählich wieder Ruhe einzukehren scheint: „Die alarmierte Stimmung der vergangenen Tage beginnt sich zu legen“, schilderte Ensemblesprecher Roland Koch. Bei der Bekanntgabe seiner unmittelbar davor ausgesprochenen Entlassung hatte Hartmann am Dienstag gegenüber dem Ensemble davon gesprochen, dieses trage mit seinem Misstrauensvotum die Verantwortung für den „Todesstoß“. „Das Misstrauensvotum war vielleicht der Katalysator, aber sicher nicht die Ursache“, so Koch. „Früher oder später wären die Fragen danach, was rechtens ist und wer Verantwortung trägt, sicher auch so gestellt worden. Es war von Hartmann eine in diesem Augenblick vielleicht verständliche letzte Geste.“
Die Interims-Leitung im Haus oder dem Umfeld der Burg zu suchen, ist für Strasser naheliegend, darauf beschränken möchte er sich aber nicht. „Wir sollten da durchaus auch den Horizont ausweiten.“ Unterdessen mehren sich die Spekulationen über Hartmanns Nachfolge ab 2015/16. Nicht nur die Münchner Abendzeitung sieht in Martin Kusej, Intendant des Münchner Residenztheaters, einen heißen Kandidaten. Doch Kusejs Vertrag läuft noch bis August 2016. Und am Mittwoch meinte der gebürtige Kärntner: „Ich sehe keinen Grund, diese erfolgreiche Arbeit vorzeitig zu beenden.“ Mit Karin Beier, die gerade erst das Deutsche Schauspielhaus Hamburg übernommen hat, und Barbara Frey, Hartmanns Nachfolgerin in Zürich, werden aber auch weibliche Kandidatinnen für den Burg-Job genannt.
Im heutigen Kulturausschuss wird man sich aber mit der Vergangenheit befassen müssen. Der Bundesminister müsse auch Georg Springer „in die Pflicht nehmen“, forderte Neos-Kultursprecherin und Vorsitzende des Kulturausschusses, Beate Meinl-Reisinger. Springer sei als Aufsichtsratschef zwar zurückgetreten, müsse jedoch als Holding-Chef „die Konsequenzen tragen“. (APA, TT)