3,5 Jahre Haft für Hoeneß, FC Bayern unter Druck
Der Richter hat gesprochen: Uli Hoeneß wird zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die Steuerschuld beträgt jetzt 28,5 WMillionen Euro. Auch für den FC Bayern und seinen prominent besetzten Aufsichtsrat könnte das Urteil tiefgreifende Folgen haben.
München - Uli Hoeneß muss mit einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten für seine millionenschwere Steuerhinterziehung büßen. Das Landgericht München sprach den Präsidenten von Deutschlands Fußball-Rekordmeister Bayern München am Donnerstag in einem der spektakulärsten Steuerverfahren in Deutschland in sieben Fällen schuldig. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.
Hoeneß hatte dem Fiskus mit einem Geheimkonto in der Schweiz fast 30 Millionen Euro an Steuern vorenthalten. Die zuletzt genannte Summe von 27,2 Millionen Euro erhöhte sich noch einmal auf 28,5 Millionen Euro, weil noch ein Solidaritätszuschlag einberechnet werden müsse, sagte Richter Rupert Heindl bei der Urteilsbegründung. Es handle sich bei den Vergehen des Bayern-Präsidenten nicht um einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung. Allerdings sei Steuerhinterziehung ein Vorsatzdelikt, betonte Heindl. „Das bloße Berufen darauf, die Bank habe quasi alles alleine gemacht, nehmen wir ihnen nicht ab.“
Das Gericht blieb deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die wegen eines besonders schweren Falles von Steuerhinterziehung für eine Haft von fünf Jahren und sechs Monaten plädiert hatte. Die Verteidigung hielt höchstens eine Bewährungsstrafe für angemessen, sollte das Gericht die Selbstanzeige als unwirksam erachten. Beide Parteien können bis zum 20. März Revision einlegen. Die Verteidigung wird das auch sicher machen.
Bayern-Führungsriege berät
Das Urteil erschüttert auch den FC Bayern. Hoeneß ist seit Jahrzehnten das Gesicht des Vereins. Als Spieler, Manager, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der AG prägte und prägt er den erfolgreichsten deutschen Fußball-Verein. Kann er seine Ämter als Präsident und Aufsichtsrat auch nun noch behalten?
Der FC Bayern selbst gab zunächst keine Stellungnahme ab. Der Rekordmeister kündigte an, dass Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat „kurzfristig zu Beratungen zusammenkommen“ würden. Die Öffentlichkeit solle „zeitnah“ - aber nicht vor Freitag - über die Ergebnisse informiert werden, hieß es in einer Mitteilung des Clubs.
TT Online berichtete in einem Live-Blog über die Entwicklungen rund um den Fall Hoeneß. Hier zum Nachlesen:
Urteil im Hoeneß-Prozess
Urteilsspruch
14:27 Uhr
Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München spricht den Präsidenten von Deutschlands Fußball-Meister Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe gehofft, die Anklage eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten gefordert.
Reaktionen
14:32 Uhr
Es gibt schon erste politische Reaktionen: Die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Renate Künast (Grüne), hält das Urteil im Steuerprozess gegen Uli Hoeneß für richtig.
Die Haftstrafe ohne Bewährung war unausweichlich. Angesichts der riesigen Summen konnte das Gericht nicht anders entscheiden. Vor dem Gesetz sind alle gleich. Trotz des ungeheuren Rummels, das Gericht hat seine Aufgabe im Rechtsstaat erfüllt."
Wie reagiert der FC Bayern?
14:38 Uhr
Das Urteil dürfte auch den FC Bayern erschüttern. Hoeneß ist seit Jahrzehnten das Gesicht des Vereins. Als Spieler, Manager, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der AG prägte und prägt der Patriarch vom Tegernsee den erfolgreichsten deutschen Fußball-Club. Kann er seine Ämter als Präsident und Aufsichtsrat nun behalten?
Der seit 2009 als Präsident amtierende Hoeneß hatte auf der Mitgliederversammlung im November 2013 angekündigt, nach dem Prozess die "Vertrauensfrage" zu stellen. "Ich werde mich jedem Votum, das sie treffen, unterwerfen", hatte Hoeneß zu den Mitgliedern. Er wolle ihnen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung «das Recht geben, zu entscheiden, ob ich noch der richtige Präsident für diesen Verein bin".
VW-Chef Martin Winterkorn stellte eine schnelle Reaktion des mit weiteren deutschen Wirtschaftsführern besetzten Aufsichtsrates in Aussicht. Nach dem Urteilsspruch "muss sich der Aufsichtsrat beraten. Vorher nicht", sagte der Volkswagen-Chef am Donnerstag - vor dem Urteilsspruch - bei der Bilanzvorlage des Autobauers in Berlin.
Reaktionen
14:50 Uhr
Ex-Profifußballer und Kult-Blogger Hans Sarpei:
Ein schlechtes Urteil für Uli Hoeneß, ein gutes für viele Millionen ehrliche Steuerzahler in Deutschland."
Urteilsbegründung
14:55 Uhr
Gerichtssprecherin Andrea Titz:
Das Gericht geht von einer unwirksamen Selbstanzeige aus."
Hoeneß' Anwalt kündigt Revision an
14:57 Uhr
Hoeneß-Anwalt Hanns Feigen will Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen:
Wir werden das Urteil natürlich mit dem Rechtsmittel der Revision angreifen."
Gericht: 28,5 Millionen Euro Steuerschuld von Hoeneß
15:03 Uhr
Das Landgericht München geht von einer Steuerschuld in Höhe von 28,5 Millionen Euro aus. Die zuletzt genannte Summe von 27,2 Millionen Euro habe sich erhöht, weil noch Solidaritätszuschlag einberechnet werden müsse, sagte Richter Rupert Heindl bei der Urteilsbegründung. Es handele sich bei den Vergehen des Bayern-Präsidenten um einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung.
Allerdings sei Steuerhinterziehung ein Vorsatzdelikt, betonte Heindl. "Das bloße Berufen darauf, die Bank habe quasi alles alleine gemacht, nehmen wir ihnen nicht ab."
Haftbefehl außer Vollzug
15:07 Uhr
Uli Hoeneß ist nach seiner Verurteilung nicht in Haft genommen worden. Das teilte Gerichtssprecherin Andrea Titz mit. Der Haftbefehl werde in bestehender Form aufrechterhalten und bleibe außer Vollzug.
Homepage des FC Bayern nach Urteilsspruch überlastet
15:09 Uhr
Das Urteil gegen Uli Hoeneß hat offenbar für einen Ansturm auf die Internetseite des FC Bayern München gesorgt. Die Seite war am Nachmittag vorübergehend nicht erreichbar.
Keine Stellungnahme des FC Bayern zu Urteil
15:11 Uhr
Der FC Bayern wird sich zum Urteil gegen Präsident Uli Hoeneß nicht äußern. Laut Mediendirektor Markus Hörwick ist dagegen eine kurze schriftliche Erklärung des Aufsichtsrates im Laufe des Tages zu erwarten.
Reaktionen
15:23 Uhr
Heribert Bruchhagen, Vorstandsboss von Bundesligist Eintracht Frankfurt:
Mir tut es unendlich leid für Uli. Ich bin sehr erschrocken über die Vorstellung, dass Uli für seinen Fehler so heftig büßen muss. Ich bin sehr traurig."
Staatsanwaltschaft hält sich Revision offen
15:27 Uhr
Die Staatsanwaltschaft hält sich den Einsatz möglicher Rechtsmittel gegen das Urteil im Steuerprozess gegen Uli Hoeneß offen. "Wir werden nun, nicht mehr heute, aber ab morgen, nochmal die Urteilsgründe untersuchen und dann entscheiden, ob wir ebenfalls in Revision gehen werden oder nicht", sagte Ken Heidenreich, Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Die Verteidigung des Bayern-Präsidenten kündigte bereits Rechtsmittel an.
Sprech-Chöre für Hoeneß
15:46 Uhr