Polizei verstärkt Vorgehen gegen Protestbewegung, bisher 28 Tote
Bei den seit Wochen andauernden Protesten in Venezuela sind bisher 28 Menschen ums Leben gekommen. Das umstrittene Vorgehen der Regierung gegen die Demonstranten geht weiter. Präsident Maduro droht mit „drastischen Maßnahmen“.
Caracas - In Venezuela hat die Polizei ihr Vorgehen gegen die Protestbewegung gegen Präsident Nicolas Maduro verstärkt. Bei Durchsuchungen in Valencia seien sechs Menschen festgenommen und Plastiksprengstoff, Waffen und Brandbomben sichergestellt worden, sagte Maduro am Donnerstag, ohne weiter ins Details zu gehen.
Er hatte zuvor den überwiegend jungen Demonstranten mit „drastischen Maßnahmen“ gedroht, sollten sie ihre seit fünf Wochen andauernden Proteste fortsetzen. Maduro bezeichnet die Anti-Regierungs-Proteste als eine von den USA unterstützte „Verschwörung“ und versucht sie, mit Gewalt niederzuschlagen.
Bei den seit Wochen andauernden Protesten sind nach offiziellen Angaben bislang 28 Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien 365 Menschen verletzt worden, darunter über 100 Polizisten und Soldaten, wie Generalstaatsanwältin Luisa Ortega Díaz am Donnerstag im Interview des Senders Globovisión mitteilte. Unter den Todesopfern befänden sich drei Mitglieder der militarisierten Polizei Guardia Nacional, die durch Schüsse getötet worden seien.
Friedliche Demonstration in Gewalt und Chaos umgewandelt
„Was als friedliche Demonstration in Venezuela begann, ist in Gewalt und Chaos verwandelt worden“, kritisierte Ortega Diaz. 106 Menschen seien wegen der Unruhen in Haft, darunter auch 15 Polizisten. Zudem seien 40 Ermittlungsverfahren wegen Verletzung der Menschenrechte eingeleitet worden, sagte die Staatsanwältin am Rande einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf.
Das venezolanische Oppositionsbündnis MUD sprach unter Berufung auf inoffizielle Berechnungen von über 900 Verletzten. In dem südamerikanischen Land gibt es seit Anfang Februar fast täglich Proteste und Sitzblockaden mit teils gewaltsamen Ausschreitungen. Die Proteste richten sich gegen die grassierende Kriminalität, die verbreitete Korruption und die allgemeine Wirtschaftsmisere, die immer wieder zu Engpässen bei Gütern des täglichen Bedarfs führt.
Am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) wurden in der Hauptstadt Caracas rund 30 Demonstranten festgenommen, die eine Straße blockiert hatten. Am Abend gab es Zusammenstöße zwischen rund hundert vermummten Demonstranten und der Bereitschaftspolizei.
Kerry: Venezuela soll „Terrorkampagne“ stoppen
Der US-Außenminister John Kerry äußerte unterdessen scharfe Kritik am Vorgehen der Regierung in Caracas. Er hat der Regierung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro eine „Terrorkampagne“ gegen ihre Bürger vorgeworfen. Zudem rief er die Staatengemeinschaft auf, sich mehr auf die Krise in Venezuela zu konzentrieren. Das Außenministerium suche nach Wegen, damit die Regierung Maduro die Bürger einbeziehe und respektvoll behandle, sagte Kerry am Donnerstag dem Außenpolitik-Ausschuss im Kongress in Washington.
„Damit er diese Terrorkampagne gegen seine eigenen Leute beendet und hoffentlich beginnt, die Menschenrechte auf angebrachte Art und Weise zu respektieren“, sagte Kerry auf die Frage der republikanischen Abgeordneten Ileana Ros-Lethinen. (dpa/APA/AFP)