Gesellschaft

Wenn Mama Vereinsboss ist

Weil ihr der Aufwand im Nachwuchsfußball zu groß war, gründete eine Innsbrucker Mutter einfach ihren eigenen Verein.

Innsbruck –Zwei- bis dreimal pro Woche Training, am Wochenende ein Spiel und Trainer, die vielfach erfolgs- statt spaßorientiert arbeiten: „Fußball erfordert im Nachwuchsbereich einfach zu viel Aufwand“, befand eine Innsbrucker Mutter. Und gründete kurzerhand ihren eigenen Verein. Beim FV Angergasse geht’s nicht um Punkte und Meisterschaften, sondern „um Spaß und Freude an der Bewegung“, sagen Obfrau Sylvia Garbislander und Stellvertreterin Sandra Sachse. Und dafür reicht auch ein Training pro Woche.

Es war vor über zwei Jahren, als Garbislander für ihren Sohn eine Möglichkeit zum Fußballspielen suchte. Die Lehrerin war nicht allein, „viele Kinder in meinem Bekanntenkreis wollten ebenfalls diesen Sport ausüben“. Allerdings nicht bei einem offiziellen Verein: „Der Aufwand, der da betrieben wird, hat uns Eltern geschockt. Die Kinder müssen Hausübungen machen, lernen vielleicht auch ein Musikinstrument, da sind drei Trainingseinheiten zu viel.“

Also hängte Garbislander 2012 einen Zettel in der Uni auf: „Trainer gesucht!“ Tatsächlich meldete sich schon bald Sportstudent Günther Plaickner, der Gefallen am Konzept eines Fußballvereins „light“ fand. Die Stadt Innsbruck stellte den Turnsaal der Volksschule Angergasse und eine Wiese zur Verfügung. Und schon konnte das erste Training beginnen, an dem zunächst „nur“ acht Kinder teilnahmen. „Doch schon bald standen 20 Volksschüler am Platz“, schmunzelt Innsbrucks einzige Obfrau eines Fußballvereins. Zu viel für einen Trainer – nach drei Wochen erhielt Plaickner Verstärkung. Seither wird er von Alexander Sini unterstützt.

Der FV Angergasse wuchs weiter. Im vergangenen Herbst war der Andrang so groß, dass Garbislander Nachwuchskicker und Eltern vertrösten musste. So auch Sandra Sachse: „Da haben wir beschlossen, eine zweite Mannschaft aufzustellen“, erzählt die Berlinerin, die auch gleich das Amt der Obfrau-Stellvertreterin übernahm.

Garbislander und Sachse spekulierten damit, dass der eine oder andere FV-Angergasse-Kicker mehr will und zu einem professionellen Verein wechselt. „Aber es ist eher umgekehrt, Kinder, denen der Aufwand zu viel wurde, sind von den „Profis“ zu uns gekommen.“

Einziger Wermutstropfen: Nur Schüler der Volksschule Angergasse können derzeit beim FV trainieren. Garbislander kann sich aber vorstellen, dass ihr Konzept Nachahmer findet. Wenn ihre Söhne die Volksschule verlassen, wollen Garbislander und Sachse das Vereinszepter weiterreichen: „Schön wär’s, wenn ein Vater oder eine Mutter den Verein dann übernehmen könnte.“ (tom)

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