Die Welt zerlegt in Farben und Formen
Die Innsbrucker Galerie Thomas Flora erinnert an den Maler Wilfried Kirschl: 22 Beispiele aus 40 Jahren.
Von Edith Schlocker
Innsbruck –Seit dem Tod von Wilfried Kirschl vor vier Jahren ist es still um seine Kunst geworden. Umso erfreulicher ist die kleine Ausstellung in der Galerie Flora, die 22 Beispiele aus allen Phasen von Kirschls Werk zeigt. Wenn auch mit wenigen Ausnahmen leider nicht die wirklich besten.
Da hängen etwa zwei Bilder des 23- bzw. 26-jährigen Künstlers, die man diesem niemals zuordnen würde. So anders kommen sie in ihrer expressiven Farbigkeit und ihren schweren Formen daher. Etwa die „Frauen am Meer bei Paestum“, die man eher Werner Berg als Wilfried Kirschl zutrauen würde, oder eine Brüssel-Impression, die sehr französisch inspiriert daherkommt. Doch bald schon fand der Boeckl-Schüler in Giorgio Morandi seinen wirklichen Lehrer.
Um ab den Siebzigerjahren das Weiß zu seiner wichtigsten Farbe zu machen. Sie mehr oder weniger mit sämtlichen anderen zu einer überaus delikaten Palette zu vermischen. Sich mit Hilfe dieser eine innere Welt ermalend, die zwar von realen Landschaften oder Gegenständen abgeleitet ist, abstrahiert allerdings zu in der Fläche ausgebreiteten Kürzeln. Um etwa in New York, Paris oder auf griechischen Inseln Gesehenes genauso wie Akte oder Blumen zu Stillleben zu stilisieren, in denen es primär um ein subtiles Jonglieren mit Linearem und Flächigem, mit Teilungen und farbigen Nuancen geht.
Im Zentrum der Schau bei Flora steht der Maler Wilfried Kirschl, der aber auch ein exzellenter Zeichner war. Seinem Medium der Wahl als Viel- und Gernreiser, um vor Ort das ihn Interessierende ganz spontan zu skizzieren. Um – reizvoll transformiert – in seinen oft viel später im Atelier gemalten Bildern wieder aufzutauchen.