Wohnstube unterm Kirchendach

Monsignore Helmut Gatterer, Geistlicher in der Pfarrgemeinde Maria am Gestade und erfahrener Reisebegleiter, pendelt zwischen Pfarrzentrum und seiner 30-Quadratmeter-Garçonnière.

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Der Seelsorger (seine Pfarre zählt 1900 Katholiken) am neu gestalteten Eingang zum Pfarrzentrum der Kirche Maria am Gestade.
© Hörhager

Von Peter Hörhager

Innsbruck –Um es vorwegzunehmen: Es ist keine Designerwohnung, die heute hier vorgestellt wird. Aber sie ist „Heimat“ für einen Vielbeschäftigten, Vielgereisten und Vielgeschätzten: Die Rede ist von Monsignore Helmut Gattere­r, Seelsorger in der Pfarre Maria am Gestade, die die Bereiche Sieglanger, Klosteranger und Mentlberg umfasst. Die kommende Woche ist eine der wichtigsten und arbeitsintensivsten im Kirchenjahr – die Karwoche mit dem Osterfest als abschließendem Höhepunkt. Für den beliebten Seelsorger „eine spannende Woche, aber für einen Geistlichen, der gerne Gottesdienst feiert, auch eine schöne Woche“. Abgesehen von den kirchlich-liturgischen Terminen ist die Kirche ja auch wegen ihrer künstlerischen Ausgestaltung (Weiler, Millonig, Lanzinger, Kollreider, Hren, Pontiller) einen Besuch wert. Und am Dienstag wird das vom Weerberger Hans Knapp entworfene Heilige Grab aufgestellt.

Ein wahrlich prächtiger Arbeitsplatz, der besonders in der kommenden Woche viel genutzt wird: die Kirche Maria am Gestade.
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Jedenfalls steht eine Woche bevor, in der das Pfarrzentrum Haupt-„Wohnsitz“ des gebürtigen Scharnitzers ist. Steht der zwölf Jahre alte Pkw mit dem Kennzeichen HG 37 (die Zahl steht für das Geburtsjahr Gatterers) vor der Kirche, ist das ein untrügliches Zeichen, dass der Besitzer anwesend ist. Der ist bereits seit unglaublichen 52 Jahren Priester und könnte logischerweise längst (s)einen Ruhestand genießen. „Nichts tun“, lacht er, „wäre nicht das meine.“ Wobei es Wochen gibt, in denen er sich als Seelsorger vertreten lassen muss: wenn er auf Reisen ist. Nicht als passiver Konsument, sondern als erfahrener Reiseleiter. Demnächst führt er zum 50. Mal eine Pilgergruppe nach Lourdes, bereits 30 Mal stellte er sein Wissen und seine Erfahrung bei Reisen ins Heilige Land unter Beweis. „Wegen der Vielfalt und Kulturen, Völker und Religionen mein Lieblingsland“, fasst er zusammen. Rom, Santiago-Fatima und Friaul sind weitere Ziele des reise­erfahrenen Monsignore.

Schaltzentrale eines Seelsorgers: das Pfarr(er)büro im ersten Stock des Pfarrzentrums von Maria am Gestade.
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Die Qualitäten, die ihn als Reiseleiter auszeichnen, kommen ihm auch als Seelsorger zugute. Er ist gesellig, kommunikativ, geht auf die Leute zu, spricht ihre Sprache, überzeugt durch Argumente, die für jedermann verständlich sind, und verzichtet auf hochgestochene Phrasen. Dass sich bisher rund 900 Paare von ihm trauen ließen und an die 5000 Kinder von ihm getauft wurden, zeugt von der Beliebtheit Helmut Gatterers. „Der Priesterberuf ist zu 80 Prozent schön und zu 20 Prozent leicht kompliziert“, bilanziert er lachend. Er hätte auch ein Rezept gegen den Priestermangel, Zustimmung von der Amtskirche darf er dafür (noch) nicht erwarten: „Priester sollen heiraten dürfen, dann könnte man auch verheiratete Geistliche zurück ins Boot holen“, artikuliert er eine seiner Visionen. Auch rüstigen, kirchentreuen Pensionisten und Diakonen würde er den Zugang zum Theologiestudium und somit zum Altar ermöglichen bzw. erleichtern. Aber das ist eine andere Geschichte . . .

Unzählige Erinnerungsstücke und „Bilder mit Geschichte“ zieren die Wände der Wohnräume von Helmut Gatterer.
© Hörhager

Hier geht es ja um seinen Wohnraum. Den Großteil des Tages verbringt er im Pfarrzentrum, in seinem Büro, das er sich – mit vielen Erinnerungsstücken – wohnlich eingerichtet hat. Auf ein Foto deutet er mit besonderem Stolz – es zeigt ihn, gemeinsam mit Bischof Kothgasser, beim angeregten Gespräch mit dem Heiligen Vater. Die eigentliche Wohnung liegt rund zehn Gehminuten von der Kirche entfernt. Unglaublich – auf lediglich 30 Quadratmetern finden, abgeteilt wohlgemerkt, das Wohnzimmer, der Schlafraum, eine Miniküche und ein Abstellraum Platz. Als puristisch kann man deshalb die Einrichtung der vier Wände von Helmut Gatterer wahrlich nicht bezeichnen. Er ist ja auch ein Sammler, der Pfarrer von Maria am Gestade. „Im Laufe eines so langen Berufslebens kommt eine Menge Zeug zusammen“, erklärt er. Die Wohnung ist für Helmut Gatterer Rückzugsgebiet und Ausgleichsrefugium, wobei auch der vorgelagerte Garten einen wichtigen Erholungsfaktor hat. „Hier finde ich zu mir, wenn der Stress zu groß wird“, bekennt er, „daheim sein, eine Heimat haben, ist ungeheuer wichtig – und deshalb umgebe ich mich mit vielen Dingen, die mir etwas bedeuten und zu denen ich eine Beziehung habe.“

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Seltene Mußestunde im Relax-Sessel: Helmut Gatterer im Wohnzimmer seiner 30-Quadratmeter-Garçonnière.
© Hörhager

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