Tränen im Zeugenstand: Pistorius entschuldigt sich bei Familie

Oscar Pistorius hat sich am Montag vor Gericht erstmals persönlich zum Tod seiner Freundin Reeva Steenkamp geäußert.

Oscar Pistorius weinte während seiner Aussage vor Gericht.
© EPA/THEMA HADEBE

Pretoria – Der wegen Mordes angeklagte südafrikanische Sprintstar Oscar Pistorius hat sich vor Gericht erstmals persönlich zum Tod seiner Freundin Reeva Steenkamp geäußert. Mit stockender Stimme und unter Tränen entschuldigte er sich am Montag bei Steenkamps Angehörigen. Der 27-Jährige wirkte nach seiner Aussage so erschöpft, dass der Prozess vor dem Kreuzverhör vertagt wurde.

Pistorius muss sich seit Anfang März vor Gericht verantworten, am Montag sagte er als zweiter Zeuge der Verteidigung aus. Er hatte seine zwei Jahre ältere Freundin im vergangenen Jahr in der Nacht zum Valentinstag durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen. Vor Gericht blieb er bei seiner Version, es habe sich um ein tragisches Unglück gehandelt, weil er seine Freundin für einen Einbrecher gehalten habe. „Ich habe bloß versucht, Reeva zu beschützen, die Leute sollen wissen, dass sie geliebt wurde, als sie in jener Nacht zu Bett ging.“

Alpträume nach der Tat

Schon mehrmals war Pistorius in den vergangenen Wochen in Tränen ausgebrochen oder hatte sich übergeben müssen. Nun wirkte er wie ein gebrochener Mann - manchmal war er kaum zu verstehen. Seit der Tatnacht leide er unter Albträumen, sagte er vor Gericht, manchmal wache er mit dem Geruch von Blut in der Nase auf. Einmal sei er derart verängstigt gewesen, dass er sich in einen Kasten geflüchtet habe.

Ausführlich berichtete der am Unterschenkel amputierte Ausnahmesportler von seiner Kindheit, seiner Behinderung und seinem fast immer abwesenden Vater. Seine Mutter sei sehr ängstlich gewesen: „Wir wuchsen in einer Familie auf, in der mein Vater nur selten da war, oftmals bekam sie nachts Angst und rief die Polizei.“ Unter ihrem Polster habe sie stets eine Pistole versteckt, sagte Pistorius - während seines Prozesses hatten Freunde ihn selbst als rasch aufbrausenden Waffenfanatiker geschildert.

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Mutter des Opfer hörte mit geschlossenen Augen zu

Als Pistorius 15 Jahre alt war, starb seine Mutter. „Als sie starb, kam das für uns sehr unerwartet, niemand sagte uns, dass sie krank war - und als sie es uns endlich sagten, lag sie schon im Koma“, sagte der 27-Jährige weiter. Zudem beschrieb er, wie verletzlich er sich ohne seine Beinprothesen fühlt: „Auf meinen Stümpfen habe ich kein Gleichgewicht.“

Reeva Steenkamps Mutter June hörte mit verschlossenem Gesicht zu, während sich Pistorius bei ihr entschuldigte. Seit Wochen schon lässt sie wie versteinert die teils grausamen Details zum Tod ihrer Tochter über sich ergehen; so auch am Montag, als der Gerichtsmediziner Jan Botha als erster Zeuge der Verteidigung vor Gericht aussagte und sich Pistorius erneut in einen Eimer erbrach.

Kreuzverhör auf Dienstag vertagt

Während der Anhörung des ersten Zeugen der Verteidigung vertauschten Ankläger und Verteidiger ihre Rollen: Wie Pistorius‘ Anwalt Barry Roux in den ersten Wochen tat sich nun Staatsanwalt Gerrie Nel durch besonders aggressive Nachfragen im Kreuzverhör hervor. Nachdem Nel den Experten Botha mehrfach unterbrochen hatte, ermahnte ihn seinerseits der Verteidiger zu mehr „Höflichkeit“.

Nel entschuldigte sich daraufhin - doch gab das Verhör einen Vorgeschmack auf das Kreuzverhör von Pistorius. Dazu kam es allerdings am Montag nicht mehr: Wegen Erschöpfung des Angeklagten wurde der Prozess auf Antrag der Verteidigung am Nachmittag auf Dienstag vertagt.

Verteidiger Roux will nach eigenen Angaben 14 bis 17 Gutachter als Zeugen rufen. Entscheidend aber wird Pistorius‘ Auftreten selbst sein - er ist der einzige, der in der Tatnacht im Haus war. Der Prozess wurde bereits bis Mitte Mai verlängert - ursprünglich hätte er nach drei Wochen am 20. März beendet sein sollen. (APA/AFP)


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