Kühe rannten auf Zuschauer los: Landwirt vor Gericht

Nur durch viel Glück gab es beim Mayrhofner Almabtrieb 2012 keine Schwerverletzten.

Von Reinhard Fellner

Mayrhofen, Innsbruck –Mit Slogans wie „Volksmusik und Almabtrieb“ werden Tiroler Almabtriebe europaweit beworben und ziehen ein Massenpublikum an. So fanden sich letzten Oktober in Mayrhofen zum Brauchtums­umzug mit Almabtrieb nicht weniger als 20.000 Besucher ein, um bei guter Stimmung an die 500 aufgeschmückte Kühe zu bewundern.

Ein Jahr zuvor hätte dieses Vergnügen in einer Katastrophe enden können. Die belegte erst gestern am Landesgericht eine Klage gegen einen Bauern, die sich mit den Schäden des Almabtriebs 2012 beschäftigte.

Damals hatte das Fest erst mit dem Brauchtumsumzug gestartet. Allein an frequentierten Kreuzungsbereichen stehen laut Zeugen währenddessen 1500 Leute im Umkreis von 100 Metern. Ein Vor- und Zurückrücken ist da schwer möglich. In dieser Situation hatte der beklagte Bauer laut Veranstalter seine Kühe viel zu früh Richtung Dorfkern getrieben. Und dies scheinbar in einer Geschwindigkeit, die ein kontrolliertes Treiben unmöglich machte. Der Ersteller des Sicherheitskonzeptes: „Der ist mit dem Vieh Vollgas in die Menschenmenge eingelaufen. Nicht auszudenken, was da passiert wäre, wenn man das Vieh nicht noch mit größter Anstrengung in eine Nebenstraße hätte ableiten können!“

Auch so zeigte das unkontrollierte Wirkung. So fiel ein Stand um, ein Zuseher konnte in letzter Sekunde von einem Polizeibeamten unter einer Kuh herausgezogen werden – und kam ohne Trittverletzungen davon. Ein Tier eines anderen Umzuges hatte sich wiederum bei einem Lokal ein Bein gebrochen. Das rettende Abtreiben in die Seitenstraße hatte dazu allein laut der klagenden Versicherung 22.800 Euro Schaden an Autos und Zäunen verursacht.

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Der Bauer: „Das Vieh hatte ja gar keine Chance, keine Schäden zu verursachen. Mich wundert, dass es nicht mehr ist. Ich bin nur heilfroh, dass den Treibern nichts passiert ist. Man kann doch keinen Almabtrieb organisieren und den Tieren keinen Platz freihalten!“ Auch will der Zillertaler vom Tourismusverband angerufen worden sein, dass er um 11 Uhr plus/minus eine halbe Stunde starten solle. Auf der Einsatzliste des TVB war der Landwirt jedoch erst um 11.30 Uhr aufgeführt.

Wie das Verfahren auch nach weiteren Zeugen ausgehen mag: Eine Absperrung gab es in Mayrhofen auch letztes Jahr nicht.

Andreas Lackner, Geschäftsführer des Tourismusverbandes, betonte jedoch gestern gegenüber der TT, dass der Zeitpunkt des Almabtriebs nun so weit entfernt ist, dass er sich mit dem Umzug nicht mehr überschneiden könne.


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