Gesundheit

Kleine Kugeln, große Wirkung?

Bei richtiger Anwendung können Globuli eine wirksame Alternative zur konventionellen Schulmedizin darstellen.Foto: Thinkstock

Homöopathie ist umstritten. Gleichzeitig schwören viele Österreicher auf die Kraft von Globuli und Tropfen. Worauf es ankommt, damit die Heilmethode auch wirkt, erklärt ein Tiroler Allgemeinmediziner.

Von Theresa Mair

Innsbruck –Homöopathie ist keine Hexerei, sondern eine von der Österreichischen Ärztekammer anerkannte, ganzheitliche Heilmethode. Und eine offensichtliche beliebte: Denn eine 2012 veröffentlichte EU-Studie besagt, dass die Hälfte der Österreicher 2011 ein homöopathisches Mittel verwendet hat.

Dennoch sind die Unsicherheiten oft groß. Grund genug, am heutigen Welttag der Homöopathie mit dem Innsbrucker Allgemeinmediziner Werner Knoflach von der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathie einigen Fragen rund um dieses Thema auf den Grund zu gehen.

1Wie entstehen homöopathische Arzneien? Homöopathische Mittel werden aus dem Pflanzen-, Tier- und Mineralreich gewonnen. Die Extrakte werden zwischen mehreren Verdünnungsschritten geschüttelt. Dadurch entfalten sie ihre Wirkung. Es handelt sich dabei um ein biophysikalisches Phänomen und das macht die Homöopathie so umstritten.

Konventionelle Medikamente werden auf biochemischem Weg hergestellt, ihre Wirkung ist leichter nachweisbar. Doch es gibt Untersuchungen, wie z. B. aus der Quantenphysik, mit deren Hilfe die Wirksamkeit von Homöopathie belegt worden ist.

2Muss man an Homöopathie glauben? Prinzipiell muss man nicht an Homöopathie glauben, damit sie wirkt. Ein Kleinkind kann z. B. nicht unterscheiden, ob es mit Antibiotika oder Homöopathie behandelt wird. Auch in der Tiermedizin weiß die Kuh nicht, welche Medizin sie bekommt.

3Welche Präparate werden verabreicht? Die Arzneien werden hauptsächlich in Form von Globuli-Kügelchen und Tropfen gegeben. Schüßler-Salze gehören nicht zur klassischen Homöopathie. Es gibt auch Komplexmittel, wie z. B. Tropfen gegen Heuschnupfen oder Schwindel. Diese verbinden viele homöopathische Einzelsubstanzen und können bei leichten Beschwerden durchaus in der Selbstbehandlung angewandt werden. Hausmittel, wie Topfenwickel, Ringelblumensalbe und Johanniskraut sind Phytotherapeutika und haben nichts mit Homöopathie zu tun.

4Wie kommt Homöopathie zum Einsatz? Bei der Verschreibung geht der Arzt nach der Ähnlichkeitsregel vor. Diese baut auf dem Prinzip, dass eine Arznei beim Gesunden genau die Beschwerden hervorruft, die sie beim Kranken heilt. Alium Cepa – die Küchenzwiebel – sorgt z. B. dafür, dass einem gesunden Menschen beim Zwiebelschneiden die Tränen kommen. In der Homöopathie wird Alium Cepa bei bestimmtem Schnupfen eingesetzt. Daneben interessiert sich der Arzt aber auch für die Begleitumstände der Beschwerden. Nicht die Krankheit steht im Zentrum, sondern der kranke Mensch.

Homöopathie wird nicht zur Unterdrückung von Symptomen verwendet. Vielmehr gibt sie dem Körper einen regulativen Anreiz, der die Selbstheilungskräfte anregt.

Damit Homöopathie aber wirkt, muss die Ähnlichkeitsregel befolgt werden. Und um diese anwenden zu können, muss wiederum ein Krankheitssymptom vorhanden sein. Vereinzelt kann Homöopathie dennoch vorsorglich helfen: Arnika vor und nach einer Operation verabreicht sorgt dafür, dass sich ein Bluterguss nicht ausbreitet.

5Wo hat die Homöopathie ihre Grenzen? Als begleitende Behandlung ist Homöopathie immer möglich. Die Schulmedizin ist dann gefordert, wenn die körpereigene Regulation eingeschränkt ist. Bei einer Lungenentzündung ist es z. B. notwendig, zuerst die Zahl der Keime mit Antibiotika zu verringern. Wenn die Regulationsfähigkeit des Organs wieder gut ausgeprägt ist, kann man homöopathisch weiter behandeln.

6Bei wem ist Homöopathie besonders beliebt? Wenn Homöopathie richtig eingesetzt wird, gibt es keine Nebenwirkungen. Sie kann auch nicht abhängig machen. Patienten, die an einer schonenden Behandlung interessiert sind, greifen daher gern zu Homöopathie.

Es geht dabei um Beschwerden wie virale Infekte, Schwitzen, Darmprobleme oder Schlafstörungen. Bei Kranken, die viele Arzneien einnehmen müssen – z. B. bei Rheuma oder Asthma –, kann mit Homöopathie die Selbstheilung angestoßen werden. Dadurch ist es oft möglich, die Medikation zu reduzie ren.