Reuttes Bürgermeister Oberer liebäugelt mit Stadt

Die Marktgemeinde Reutte soll zur Stadt werden. BM Oberer will die „Erhebung“ – aber erst in der nächsten Amtsperiode ab 2016.

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Kandidiert er wieder oder nicht? Diese Frage beschäftigt viele in Reutte. Gemeint ist BM Alois Oberer. Der parteifreie, bekennende Sozialdemokrat war vor vier Jahren aus dem Nichts gekommen und hatte die Bürger­meisterwahl ganz knapp für sich entschieden. Noch sind es knapp zwei Jahr­e bis zur nächsten Gemeinderatswahl. Oberer lässt sich aber kein klares Statement entlocken, ob er wieder anzutreten gedenkt: „Wenn ich Lust habe und gesund bin, werde ich kandidieren.“ Nun hat der 65-Jährige aber möglicherweise unabsichtlich erkennen lassen, weitere sechs Jahre ins Auge zu fassen.

In der vergangenen Gemeinderatssitzung hat der Bürgermeister nämlich ein­e Vision geäußert, die auf Überlegungen seinerseits, was sein­e Zukunft betrifft, schließen lässt. Der Marktchef will Stadtchef werden. Anders gesagt – Reutte soll zur Stadt erhoben werden. „Jeder Bezirkshauptort in Tirol ist ein­e Stadt, nur Reutte nicht“, erklärt er gegenüber der TT. „Eine Stadterhebung ist mein Ziel. Ich kann sie mir aber nur vorstellen, wenn der Gemeinderat einstimmig oder mit großer Mehrheit mitzieht“, so der Marktchef weiter. Und: „Ich möchte diese Vision erst in der nächsten Amtsperiode angehen. Jetzt gibt es dringendere Anliegen, wie etwa die Neukonzeption des Linz-Textil-Geländes.“

Alois Oberer weiß aus der Vergangenheit, dass sein Amtsvorgänger Helmut Wiesenegg mit dieser Idee – auch er wollte die Stadterhebung – kläglich gescheitert ist. In einer repräsentativen Umfrage sprachen sich Ende der 1990er-Jahre mehr als 70 Prozent der Reuttener Bevölkerung dagegen aus.

Im Gemeinderat hat die VP die absolute Mehrheit. Listenführer Dietmar Koler war auch schon damals in der Lokalpolitik tätig. „Wir haben uns im Jahr 2000 klar gegen die Stadterhebung ausgesprochen. An den Argumenten hat sich für mich nichts geändert. Das ist jetzt allerdings meine persönliche Meinung, in der Fraktion ist das aktuell nicht behandelt.“ Das Wort Stadt hat für den Vizebürgermeister im Zusammenhang mit Reutte einen „schalen Beigeschmack“. Vor- und Nachteil­e seien längst abgewogen, es gebe keine. Die Bezeichnung Markt sei für Reutte, wie sich der Ort darstelle, einfach passender. Koler ist „stolz, im Markt Reutte zu leben“.

Die Frage, wer für die ÖVP 2016 als Spitzenkandidat in Reutte ins Rennen gehen wird, ist laut Koler noch kein Thema. Umfragen ab Mitte des kommenden Jahres werden die Richtung weisen.


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