EZB erwartet Konjunkturerholung, Sorge um mickrigen Preisauftrieb

Die Konjunktur im Euroraum kommt allmählich in Schwung. Doch die EZB ist skeptisch, ob die Entwicklung auch den Preisauftrieb beschleunigt. Notfalls wollen Europas Währungshüter neue Instrumente auspacken - und vielleicht sogar im großen Stil Anleihen kaufen.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet weiterhin mit einer langsamen Konjunkturerholung im Euroraum. Diese dürfte vor allem von einem Anziehen der Binnennachfrage getragen werden, erklärten die Währungshüter in ihrem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht. Zudem dürfte die Konjunktur von einer allmählich steigenden Nachfrage nach Exporten aus dem Eurogebiet profitieren.

Da die Inflation noch lange niedrig bleiben und erst 2015 allmählich steigen dürfte, bestätigt die Notenbank ihren bisherigen Kurs: Den Leitzins im Euroraum will die EZB für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau halten. Zugleich sind die Währungshüter bereit, im Kampf gegen einen zu schwachen Preisauftrieb notfalls auch unkonventionelle Mittel einzusetzen. Eine weitere geldpolitische Lockerung schließt die EZB explizit nicht aus.

EZB will lockere Geldpolitik beibehalten

Denn während sich der Konjunkturausblick aufhellt, bereitet der anhaltend niedrige Preisauftrieb den Währungshütern zunehmend Sorgen. Der EZB-Rat sei fest entschlossen, die Geldpolitik locker zu halten und falls notwendig schnell zu handeln. Im Anschluss an die jüngste Zinssitzung Anfang April hatte EZB-Chef Mario Draghi eine Reihe unkonventioneller Instrumente angesprochen, die zum Einsatz kommen könnten. Unter anderem nannte er die Möglichkeit breitangelegter Wertpapierkäufe, wie sie seit längerem andere große Notenbanken tätigen. Da der Leitzins mit 0,25 Prozent bereits auf extrem niedrigem Niveau liegt, könnte die EZB nun auf diesem Weg versuchen, mehr Geld in Umlauf zu bringen, um die Inflation anzutreiben.

Grund der Debatte ist die gegenwärtig schwache Teuerung im Euroraum. Im März war die Inflationsrate mit 0,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende 2009 gefallen. Einige Analysten befürchten, dass der Währungsraum in eine Phase mit auf breiter Front fallenden Preise abgleiten könnte, was die konjunkturelle Erholung gefährden würde. Derartige Deflationsrisiken sieht die EZB derzeit jedoch nicht. (dpa)


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