Pistorius, der Egomane: Staatsanwalt nimmt Angeklagten in die Mangel

Am zweiten Tag des Kreuzverhörs fokussierte sich Staatsanwalt Nel auf die Beziehung zwischen dem Sportler und Reeva Steenkamp. „Es ging nur um Pistorius“, war die Schlussfolgerung des Juristen.

Staatsanwalt Gerrie Nel setzte am Donnerstag das Kreuzverhör von Oscar Pistorius fort.
© EPA/MARCO LONGARI / POOL

Pretoria – Auch am zweiten Tag des Kreuzverhörs ist Staatsanwalt Gerrie Nel hart mit dem Mordes angeklagten Oscar Pistorius ins Gericht gegangen. Einen Tag nachdem er den 27-Jährigen mit schockierenden Fotos der tödlich verletzten Reeva Steenkamp völlig aus der Fassung gebracht hatte, zeichnete Nel am Donnerstag von Pistorius das Bild eines verantwortungslosen Egomanen.

Steenkamps Mutter nannte Pistorius einen „Teufel“. „Es geht immer nur um Herrn Pistorius“, sagte Nel und las Kurznachrichten des späteren Opfers Reeva Steenkamps an ihren damaligen Freund vor, in denen sie sich enttäuscht und „verängstigt“ über Pistorius‘ Verhalten äußerte. Zudem beklagte sie sich über die Eifersucht ihres Partners.

„Es ging nur um Pistorius“

Er habe Steenkamp regelrecht „erniedrigen“ wollen: „Tu dies nicht, mach das nicht“ - was für Steenkamp wichtig gewesen sei, habe keine Bedeutung gehabt, sagte Nel. Sie solle keinen Kaugummi kauen, ihn nicht am Hals berühren, auf ihren Akzent achten, führte der Staatsanwalt an.

„Sie hat alles getan, um Sie glücklich zu machen, um Oscar glücklich zu machen - War Ihnen das egal?“, herrschte Nel in Richtung Anklagebank. „Das ist nicht wahr, Madam“, wandte sich Pistorius an die Richterin. „Es ging nur um Pistorius. Das war ihre Beziehung“, legte Nel nach, woraufhin der Angeklagte zur Richterin gewandt erneut protestierte: „Das ist nicht wahr, Madam.“

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Pistorius seit Montag im Zeugenstand

Zum Zeitpunkt des tödlichen Vorfalls kannte sich das Paar seit gut drei Monaten. In den SMS sei von Liebe nie die Rede gewesen, merkte Nel an. Er habe nie ein Liebesbekenntnis per SMS abgelegt, sagte Pistorius und räumte ein: „Ich hatte nie die Gelegenheit, Reeva zu sagen, dass ich sie liebe.“

Nel hatte Pistorius bereits am Mittwoch in die Mangel genommen und dabei auch ein Foto des blutüberströmten Kopfes seiner toten Freundin gezeigt. Der Angeklagte brach dabei erneut in Tränen aus und beteuerte, er habe seine Freundin nicht töten wollen. Pistorius hatte sich am Montag erstmals seit der Tat am 14. Februar 2013 öffentlich zu dem Fall geäußert und sich bei Steenkamps Familie entschuldigt. Nel legte am Donnerstag nach als er harsch fragte: „Fühlen Sie sich besser nach der Entschuldigung?“

Der Schuss, der von allein losging

In Erklärungsnöte brachte Nel den Angeklagten mit der Schilderung einer Episode aus einem Restaurant, als der Waffennarr im Jänner 2013 während eines Abendessens einen Schuss aus der Pistole eines Freundes abfeuerte. Er habe den Finger nicht am Abzug gehabt, wiederholte Pistorius mehrmals. „Das Wunder des Schusses, der von ganz allein losgeht“, sagte Nel sarkastisch. Nach Expertenmeinung sei dies unmöglich.

Steenkamps Mutter June Steenkamp sagte der britischen Zeitung „Daily Mirror“, Pistorius sei „vom Helden zum Teufel“ geworden. „Er ist eine aggressive Persönlichkeit, gewöhnt daran, Bewunderer um sich zu haben, deshalb muss es jetzt ziemlich anders für ihn sein.“ Sie wolle sehen, wie er sich verhält, obwohl der Prozess für sie die „Hölle“ sei.

Pistorius hatte seine Freundin in seinem Haus in Pretoria in der Nacht zum Valentinstag 2013 durch die Toilettentür erschossen. Der am Unterschenkel amputierte Sportler beteuert, er habe sie für einen Einbrecher gehalten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm jedoch vor, seine Freundin nach einem Streit ermordet zu haben. (APA/AFP)


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