Ermittler ordnen Spuren im Fall Lucile

Bei den Mordermittlungen im Fall Lucile scheint Stillstand eingetreten zu sein. Der Schein trügt. In der kommenden Woche treffen sich Ermittler, Gerichtsmediziner und der zuständige Staatsanwalt, um die Spurensituation zu bewerten.

Polizeibeamte am Tatort an der Kufsteiner Innpromenade. Lucile K. wurde am 11. Jänner mit einem Stahlrohr erschlagen.
© ZOOM-Tirol

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Mörder unbekannt, Motiv unklar: Drei Monate nach dem gewaltsamen Tod der französischen Studentin Lucile K. an der Kufsteiner Innpromenade scheinen die Ermittler des Landeskriminalamtes auf der Stelle zu treten. „Es gibt nichts Neues“, lautet seit Wochen Walter Pupps (Chef des Landeskriminalamtes) Standardantwort auf entsprechende Presseanfragen.

Von Stillstand kann allerdings keine Rede sein: Tatsächlich treffen sich in der kommenden Woche Ermittler, Gerichtsmediziner und der zuständige Staatsanwalt, um die Spurensituation zu bewerten. Befindet sich unter den sichergestellten DNA-Schnippseln auch eines des Täters? Oder haben die Spuren nichts mit der Gewalttat zu tun? „Diese Fragen sollen bei dem Treffen beantwortet werden“, erklärt Pupp.

Ermittlungen in Frankreich

Ermittelt wird aber nicht nur in Tirol: „Wir haben ein Rechtshilfeersuchen an die französischen Behörden gestellt“, bestätigt der Chef des Landeskriminalamtes. Den Inhalt der polizeilichen Fragen an die französischen Kollegen wollte Pupp nicht verraten. Der Hintergrund ist allerdings klar: Möglicherweise ist die Lösung des Mordrätsels in Lyon, der Heimatstadt des Opfers, zu finden. Immerhin verbrachte Lucile K. die Weihnachtsferien bei ihren Eltern und ist erst drei Tage vor ihrem gewaltsamen Tod nach Kufstein zurückgekehrt. „Die Menschen sind enttäuschend“, schrieb die sonst so lebensfrohe Französin am 8. Jänner auf Twitter. Ein Hinweis auf zwischenmenschliche Probleme? Und damit auf ein mögliches Motiv?

Eine Theorie, die bisher wenig Anklang fand: Das iPhone und die Handtasche Luciles, die seit der Gewalttat verschwunden sind, gelten als Indizien für einen Raubmord. „Wir schließen aber auch ein Sexualdelikt nicht aus“, räumte Pupp zuletzt ein.

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Dass drei Monate nach der Tat noch keine greifbaren Ergebnisse vorliegen, ist bei Mordermittlungen nicht ungewöhnlich. Manchmal dauert es Jahre, bis sich ein Täter auf der Anklagebank wiederfindet. Als besonders schwierig erwiesen sich immer wieder Ermittlungen gegen Täter, die keine Verbindung zu ihren Opfern hatten. Deutlich schneller geklärt sind hingegen meist Beziehungstaten: Enttäuschte Ex-Partner und eifersüchtige Liebhaber sind leichte Beute für Kriminalisten.

Vom Mord zur Haft

Drei Jahre

vergingen, bis der Mord an einem Kufsteiner Autohändler im Februar 2008 geklärt war. Die Polizei konnte 2011 in Ungarn einen Kroaten ausforschen, der ein Jahr später zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Motiv: Raubmord – der Täter erbeutete knapp 10.000 Euro.

Drei Jahre

dauerte es auch, bis der gewaltsame Tod des deutschen Saisonarbeiters Raven Vollrath im Außerfern geklärt war. Vollrath wurde Weihnachten 2005 erstochen. Im Februar 2008 gab die Mutter von Vollraths Mitbewohner an, ihr Sohn habe den 25-Jährigen getötet. Ein deutsches Gericht verhängte acht Jahre Haft.


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