Objekt 21: Braune Umtriebe gepaart mit Kriminalität im Rotlichtmilieu

Neonazi-Gruppe soll „Drecksarbeit“ für Bordell-Boss erledigt haben.

Sieben Stunden beriet der Geschworenensenat in Wels, dann folgten Schuldsprüche gegen die sieben Angeklagten.
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Wels – Das „Objekt 21“, das sich zuletzt im oö. Bezirk Vöcklabruck eingenistet hatte, beschäftigt die Behörden seit Jahren an zwei Fronten: einerseits wegen der braune Umtriebe des Vereins, andererseits wegen des damit zusammenhängenden kriminellen Netzwerks in der Rotlichtszene. Im Auftrag jenes Bordellbetreibers, der nun vor Gericht steht, soll eine lange Liste von Straftaten verübt worden sein.

Im Frühjahr 2010 tauchte das „Objekt 21“ erstmals in den Medien auf. Die Neonazi-Gruppierung soll u.a. einen Internet-Versand betrieben haben. Als Kopf der Organisation galt - wenn auch ohne offizielle Vereinsfunktion - ein heute 29-Jähriger, der zuvor Anführer des „Kampfverbandes Oberdonau“ (Bezeichnung für OÖ während des „Dritten Reiches“, Anm.) gewesen war.

Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) schätzt, dass die Gruppe um das „Objekt 21“ aus rund 200 Personen bestand. Vor Gericht landeten wegen der braunen Umtriebe nur wenige: 2012 wurde ein Mitglied wegen Handels mit verbotenen Gegenständen zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt. Vergangenen Herbst bekamen sieben Männer aus der Führungsriege wegen Wiederbetätigung teils langjährige Gefängnisstrafen aufgebrummt.

Das DÖW verweist auch auf enge Kontakte nach Deutschland, wohin man jährlich zu den Neonazi-Aufmärschen gereist sei. Verbindungen sollen auch zur rechten „Hausgemeinschaft Jonastal“ in Crawinkel/Thüringen bestanden haben. Die Gemeinde hat sich dieser Kameradschaft mittlerweile entledigt, indem sie nach längerem Rechtsstreit ihr Rückkaufsrecht für die Liegenschaft durchsetzte.

Umgekehrt traten im Bauernhof, den das „Objekt 21“ zynischerweise vom Vater des „Die Fälscher“-Regisseurs Stefan Ruzowitzky gemietet hatte, im mit Reichskriegsflagge und „Schwarzer Sonne“ (NS-Symbol, Anm.) dekorierten Partyraum auch einschlägige Liedermacher aus Deutschland auf. Einer davon, der als „Reichstrunkenbold“ firmierte, fasste im Jänner drei Jahre aus.

Neben einschlägigen Tattoos als Ausdruck der Hierarchie wurde im „Objekt 21“ offenbar auch die Bereitschaft, für die Gruppe Straftaten zu begehen, geschätzt. Als der „Freizeit- und Kulturverein“ im Jänner 2011 nach einer Hausdurchsuchung aufgelöst wurde, bedeutete das noch lange nicht das Ende der kriminellen Umtriebe im Dunstkreis der Kameradschaft.

Die Verbindung zwischen Rechtsextremen und dem Rotlichtmilieu ist laut DÖW nicht neu. Parallelen seien extreme Gewaltbereitschaft und mafiöse Strukturen. Auch im vorliegenden Fall zogen der 29-Jährige und der 33-jährige offizielle Vereinsobmann offenbar nicht nur im „Objekt 21“, sondern auch im kriminellen Rotlicht-Netzwerk die Fäden. Die beiden sollen für jenen ehemaligen Bordellbetreiber, der sich seit heute, Freitag, vor Gericht verantworten muss, die „Drecksarbeit“ erledigt haben, indem sie etliche Straftaten wie Brandstiftung, Raub, Einbruch etc. entweder selbst verübten oder ihre Kameraden damit beauftragten. Es soll sogar eigene „Abteilungen“ für Einbruch, Suchtgift, Prostitution etc. gegeben haben.

Von den ursprünglich 35 Verdächtigen wurden bisher zwölf angeklagt oder verurteilt, einige Fälle wurden an andere Behörden abgetreten. Die übrigen Verfahren laufen noch, eingestellt wurde laut Staatsanwaltschaft bisher keines.

In Zusammenhang mit dem Fall hatte es immer wieder Kritik an den Ermittlungsbehörden, speziell am Verfassungsschutz, gegeben. Man sei erst aktiv geworden, als neben der braunen Umtriebe auch andere Straftaten ruchbar wurden, so der Vorwurf. Zudem soll sich ein Verdächtiger damit gebrüstet haben, vor einer Hausdurchsuchung gewarnt worden zu sein. Die oö. Landespolizeidirektion wies aber derartige Kritik stets zurück. (APA)


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