Sekundenkleber gegen Anarchie und Fantasie

In ihrem 3D-Animationsfilm „The LEGO Movie“ liefern Phil Lord und Chris Miller Rezepte zur Rebellion und eine bunte Materialschlacht.

Von Peter Angerer

Innsbruck –Wie kein anderer Regisseur inszenierte Steven Spielberg, Jahrgang 1946, in seinen Filmen mit kindlichen Helden die Sehnsucht nach familiärer Geborgenheit, die er selbst vermisst hatte, denn „um meine Erziehung kümmerte sich Walt Disney, der Fernsehapparat ersetzte mir die Eltern“. Immerhin ist Spielberg der erfolgreichste und auch einflussreichste Filmemacher der Kinogeschichte geworden und im Jahr 2000 etablierte der dänische Spielzeugkonzern Lego das Steven-Spielberg-Moviemaker-Set (279, 99 Euro). Das Autoren- und Regieteam Phil Lord und Chris Miller schulte seine Sehgewohnheiten an Spielberg-Filmen und begann seine Karriere in den Walt-Disney-Studios. Gleichsam im Vorbeigehen kreierten Lord und Miller für den TV-Sender CBS die Kultserie „How I Met Your Mother“, bevor sie 2009 mit ihrem Animationsfilm „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ über ein verrücktes Erfinderschicksal einen weltweiten Blockbuster landen konnten. Damit wurde das Duo zum richtigen Ansprechpartner für die Lego-Group, aus der Plastikspielzeugkiste mit sämtlichen Franchise- und Lizenzfiguren einen Kinofilm, „The LEGO Movie“ zu entwickeln. Das klingt zuerst einmal nach Produktplatzierungen der übleren Sorte, doch den dänischen Klötzchenbauern gehören mittlerweile die Rechte an fast allen Figuren der Popkultur, also die Justice League mit Superman, Batman, Wonder Woman oder Green Lantern von DC Comics und Marvel, Han Solo und Chewbacca von George Lucas, die Welt von „Hobbit“ und „Herr der Ringe“ oder „Cars“ von Disney. Mit diesen Vorgaben sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und das ist auch die Geschichte des Films.

Lord Business (Originalstimme: Will Ferrell) strebt nach der Weltherrschaft, der einer alten Prophezeiung von Vitruvius (Morgan Freeman) folgend nur der Lego-„Stein des Widerstands“ im Weg steht. Ausgerechnet der einfache Bauarbeiter Emmet, der fröhlich auf den Konstruktionen der Wolkenkratzer herumklettert, findet dieses rote Plastikteil, das in seinem Rücken steckt und ihn aus der Masse hervorhebt. Dabei möchte Emmet durchaus Teil des uniformierten Kollektivs sein, das zu jeder Gelegenheit in die von Lord Business verordnete Hymne „Everything is Awesome! Everything is cool when you are part of a team!“ einstimmt und an der fantastischen Welt baut. Es ist die scheue Liebe zu der Trinity aus „Matrix“ nachempfundenen Figur Wyldstyle, die Emmet seine Bestimmung annehmen lässt. Allerdings ist Wyldstyle (noch) mit Batman liiert, doch im Kampf gegen das Böse dürfen Gefühle keine Rolle spielen, da Lord Business seine mit Sekundenkleber gefüllte Kanone bereits installiert hat, um jede Anarchie im Legoland zu beenden.

Es ist das Dilemma des im Keller spielenden Kindes, das mit den Legosteinen der eigenen Fantasie und nicht den Bau- und Betriebsanleitungen folgen möchte, während der verständnislose Vater (Will Ferrell) ein perfektes Legouniversum mit Klebstoff für die Ewigkeit fixieren möchte. Damit sind Phil Lord und Chris Miller bei Steven Spielberg angekommen. Aber sie leisten sich noch eine Schlusspointe. Was passiert im Legoland, wenn Mädchen mitspielen wollen? Davon erzählt wahrscheinlich „The LEGO Movie 2“. Starttermin: 2017.


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