Steiniger Weg für neue Heime

Tirols Gemeinden sind gefordert: Sie müssen künftig mehr Asylwerber aufnehmen. Wie schwer sich diese mitunter tun, zeigt der aktuelle Widerstand in Gries am Brenner.

Von Liane Pircher

Innsbruck –Kopfschütteln löst die Debatte rund um das geplante Flüchtlingsheim bei Altbürgermeister Andreas Hörtnagl aus: „Ich habe gedacht, dass die Leute heute offener und toleranter sind. Aber hier werden die Leute verhetzt.“ Der 70-Jährige war Anfang der Neunziger Tirols erster Bürgermeister, der Asylwerber aufgenommen hat. 113 Flüchtlinge wurden damals in Gries am Brenner willkommen geheißen. Mittlerweile lebt nur noch eine einzige Familie in dem Dorf, alle anderen haben als österreichische Staatsbürger woanders Fuß gefasst: „Natürlich gab es auch Probleme, aber unser Konzept war letztendlich ein Erfolg. Erst kürzlich hat mir ein damaliger Asylant aus dem Libanon voll Stolz berichtet, dass er das Medizinstudium in Wien abgeschlossen hat und als Arzt arbeitet.“

Mit einer schlechten Vorbereitung seitens des Landes bringt Soziallandesrätin Christine Baur den aktuellen Widerstand gegen das Heim in Gries am Brenner nicht in Verbindung: „Wir waren wie immer mit der Gemeinde, dem Bürgermeister im Gespräch. Diese Aufregung kam plötzlich dazwischen.“ Die Verknüpfung von der Schließung des Polizeipostens mit dem Heim hält sie für „unglücklich“. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Baur hofft auf eine Beruhigung der Situation und sagt, dass dem Land immer wieder private Wohnobjekte für Asylwerber angeboten werden. Auch Flüchtlingskoordinator Meinhard Eiter plädiert für eine gerechte Verteilung von Flüchtlingen in Tirol und spricht sich u. a. für kleine Wohneinheiten wie jene in Gries aus: „Je größer das Heim, je kleiner das Dorf, desto schwieriger die Akzeptanz.“ Tirol liegt bei der Quotenerfüllung aktuell an letzter Stelle: „Nach dem Asylgipfel haben die Länder Traiskirchen zwar entlastet, aber wenigstens 88 Prozent sollte jedes Bundesland erfüllen, Tirol liegt bei 82 Prozent“, sagt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Ministeriums. LR Baur kontert: „Bei der Quotendiskussion darf es nicht nur um Zahlen gehen, sondern auch um die Qualität der Unterkünfte. Hier ist Tirol bei den Standards vorne.“ Auf die Kritik vor ein paar Monaten, Tirol nehme nur selektiv Flüchtlinge auf, will keiner eingehen. Altbürgermeister Hörtnagl sagt, dass ihn sein soziales Engagement letztendlich sein politisches Amt gekostet hat. Trotzdem: „Es war das Richtigste, das ich je getan habe.“

Wir waren das erste Dorf, das Asylwerber aufgenommen hat. In meiner Zeit ist kein Einziger straffällig geworden.
Andreas Hörtnagl (Altbürgermeister Gries a. Br.)

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