Landespolitik

Zwei Gemeinden ziehen an einem gemeinsamen Strang

Kundl und Breitenbach am Inn sind zwar unterschiedlich, beweisen jedoch, dass man trotzdem zusammen mehr erreichen kann.

Kund, Breitenbach a. Inn –Kundl ist eine Industriegemeinde mit Tausenden Arbeitsplätzen und prall gefülltem Jahreshaushalt, die kleine Schwester, die Gemeinde Breitenbach, hingegen hat nicht nur ein schmales Budget, sondern auch nur wenige Arbeitsstätten im Ort. Und auch politisch gibt es Unterschiede: In Kundl regiert mit Anton Hoflacher ein sozialdemokratischer Ortschef, in Breitenbach mit Alois Margreiter ein Bürgermeister der Volkspartei. Trotzdem: Trennendes scheint in diesem Fall eher zu verbinden. Seit Jahren setzen die beiden Ortschaften gemeinsam Projekte um: den Kompostierplatz, das Wertstoffsammelzentrum, das Eltern-Kind-Zentrum sowie den gemeinsamen Sozialsprengel.

Jüngstes Kind ist das Sozialzentrum, dessen Firstfeier kürzlich begangen werden konnte. Das Zentrum wird auf einer Grundstücksgröße von 4500 Quadratmetern, mit einem Gesamtkostenaufwand von etwa zwölf Mio. Euro und mit einer Wohnbauförderung über ca. 4,6 Millionen Euro errichtet. Es entstehen 56 Pflege- bzw. Wohnplätze plus zehn Tagespflegeplätze für Senioren, der Sozialsprengel Kundl-Breitenbach sowie ein physiotherapeutisches Institut werden ebenfalls untergebracht, außerdem gibt es eine Tagesbetreuung sowie einen Hol- und Bringdienst.

Kostenseitig wird das gesamte Projekt zwischen den Gemeinden Kundl und Breitenbach im Verhältnis 60 zu 40 aufgeteilt. Dafür erhält Breitenbach 22 Plätze im Heim.

Von einer Win-win-Situation spricht BM Hoflacher in der Zusammenarbeit, „warum soll man diese also nicht nutzen“. Auch die unterschiedlichen Parteizugehörigkeiten der beiden Orts­chefs spielen dabei keine Rolle. Auch für Margreiter hat sich die Zusammenarbeit bewährt, die zudem sehr fair abgehandelt werde. Nur einen kleinen Wermutstropfen gibt es für die Breitenbacher. Sie mussten bislang immer den Kundlern als die finanzkräftigeren Partner den Vortritt bei der Standortauswahl lassen. Margreiter hofft, dass bei einem der nächsten Projekte auch Breitenbach als Standort zum Zug kommt. So ist als ferne Zukunftsmusik auch ein Haus für betreutes Wohnen im Gespräch.

„Es ist somit ein gutes Beispiel für die sinnvolle Zusammenarbeit zweier Gemeinden“, lobt auch LR Hannes Tratter (VP) das Projekt. Neben Geld aus der Wohnbauförderung gibt es auch weitere Förderungen vom Land. Errichtet wird das neue Sozialzentrum durch die Gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft m.b.H Tigewosi in Zusammenarbeit mit dem „Gemeindeverband Sozialzentrum Kundl-Breitenbach“. (klausm, wo)