Tirol

Alpenverein fürchtet Klagsflut, Eigner bleiben hart

Die Agrargemeinschaft Gleirsch im Sellraintal will nicht, dass Tourengeher auf zwei ihrer Berge gehen. Der Alpenverein sieht das anders.

Von Anita Heubacher

Innsbruck – „Die zwei Skitouren sind einfach saugefährlich“, erklärt der Obmann der Agrargemeinschaft Gleirsch im Sellraintal, Hansjörg Witting. Die Tour auf den Mutenkogel und jene auf das Räuhenkar gehören nach Ansicht der Grundeigentümer gestrichen und nicht beworben. „Der Alpenverein hat sie, ohne uns zu fragen, in seine Karten aufgenommen und zieht damit Tourengeher aus Deutschland und nicht nur Einheimische an.“ Der Agrargemeinschaft sei nichts anderes übrig geblieben. „Wir haben uns einen Anwalt genommen und mit Klage gedroht.“ 15 bis 20 Skitouren seien in der hinteren Gleirsch möglich. „Da gehört der Grund auch der Agrargemeinschaft.“ Die zwei inkriminierten Touren seien nicht nur gefährlich, die Sportler würden auch das Wild stören, erklärt Witting. Die Agrargemeinschaft ist keine, die aus Gemeindegut entstanden ist.

Alpenverein fordert Gesetz

Seit Wochen wird in Tirol diskutiert, ob es Schutzzonen für das Wild und Tabuzonen für Sportler braucht. Gestern rief nun in Innsbruck der Alpenverein zur Pressekonferenz. Dessen Präsident, Andreas Ermacora, fürchtet, dass das Beispiel der Agrargemeinschaft Gleirsch Schule machen könnte. Ödland, also die Fläche oberhalb der Waldgrenze, würde zum Großteil den Bundesforsten und den Agrargemeinschaften gehören. Auch der Alpenverein ist dort oben Grundeigentümer.

Anders als in anderen Bundesländern ist oberhalb der Waldgrenze in Tirol und in Niederösterreich gesetzesfreier Raum. „Es gibt keine Regelung, die ein freies Betreten des Ödlandes verbriefen würde“, erklärt Ermacora. Anders ist es im Wald. Dort stelle das Forstgesetz klar, dass das Betreten des Waldes für jedermann gestattet sei. Der Alpenverein fordert nun von der Landespolitik, ein entsprechendes Gesetz für das Ödland zu erlassen.

Das Sicherheitsargument der Agrargemeinschaft und den Ruf der Jäger nach Schutzzonen für das Wild lässt Peter Kapelari nicht gelten. Er leitet die Abteilung Hütten und Kartographie im Alpenverein. „Die Tourengeher werden von der Jägerschaft als Sündenböcke hingestellt, um von Missständen in der Jagd abzulenken.“ So gebe es viel zu viel Wild, auch weil Jäger es regelrecht mästen würden. Die Naturschutzreferentin des Alpenvereins, Liliana Dagostin, spricht sich für Lenkungsmaßnahmen im Bergsport aus. Diese seien punktuell nötig. „Wir sind aber gegen großflächige Sperrgebiete und Sanktionen.“

Von Strafen will auch der Obmann der Agrargemeinschaft Gleirsch nichts wissen. „Was sollen wir denn tun, wenn jemand auf den Mutenkogel oder das Räuhenkar steigt?“, fragt Hansjörg Witting. Darum gehe es auch nicht. „Alles dreht sich um zwei Touren in einem 2500 Hektar großen Gebiet.“ Mit dem „Wirbel seitens des Alpenvereins“ habe die Agrargemeinschaft nicht gerechnet. „Das hätte man ohne viel Aufhebens lösen können. Jetzt besteht wohl die Gefahr, dass auch andere Grundeigentümer sich wehren.“ Die Agrar werde den Rechtsweg weiter beschreiten.

Wem gehören die Berge?

Für den Alpenverein geht es ums Eingemachte, nämlich um die Frage, wem die Berge gehören. Das Gewohnheitsrecht des freien Zugangs zur Natur sieht der Alpenverein in Gefahr. „Da herrscht bei uns Alarmstufe Rot“, erklärt Präsident Ermacora.

Der zuständige VP-Landesrat Josef Geisler sah das letzte Woche weniger dramatisch. Er gehe bei der Klagsdrohung von einem Einzelfall aus. Ob es Schutzzonen für das Wild brauche, müsse regional gelöst werden. „Mit allen handelnden Akteuren an einem Tisch“, erklärt Geisler.

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