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Ein großer Sohn Kitzbühels feiert

Kaum einer hat den Skisport in Kitzbühel und darüber hinaus geprägt wie Karl Koller. Er revolutionierte das Skischulwesen, ist der Erfinder der Kurzskier und war heuer 61-mal langlaufen.

Von Harald Angerer

Kitzbühel, Jochberg –Seine Augen funkeln, wenn er über das Leben erzählt – über die Berge und den Skisport. Und er erzählt aus dem Stegreif selbst verfasste Gedichte mit sehr gesellschaftskritischem Inhalt. „Ich war nie neidisch“, sagt Karl Koller, wenn er über sein Leben redet.

Wird in Kitzbühel über Skilegenden gesprochen, fallen meist die Namen Toni Sailer, Anderl Molterer, Christian Pravda, und bei Skipionieren noch Franz Reisch – der Name Karl Koller selten. Viel zu selten, denn Koller hat den Skisport in Kitzbühel geprägt wie kaum ein anderer.

Heute feiert der nun in Jochberg lebende Ski-Visionär seinen 95. Geburtstag, was er heute machen wird? „Nichts Besonderes, was so ein alter Mann halt so macht“, sagt Koller und lächelt. Doch was er darunter versteht, ist wohl etwas ganz anderes als viele in seinem Alter. Auch wenn er körperlich nicht mehr so fit ist, wie er selbst einräumt, 61-mal stand er heuer dennoch auf den Langlaufskiern. Das letzte Mal mit Alpinskiern unterwegs war Koller mit 93, „aber das geht jetzt nicht mehr“, räumt der Skipionier ein.

Als das jüngste von zehn Kindern kam Koller am 16. April 1919 in Kitzbühel zur Welt. „Ich war ein Lausbub, aber gut in der Schule“, sagt Koller. Zum Skifahren ist er durch eine Krankheit gekommen, der Arzt empfahl damals mehr frische Luft. Sein Vater sei sehr unsportlich gewesen, aber er habe ihm zwei Latten zusammengeschraubt und die Schneehaufen vor den Nachbarhäusern waren seine ersten Skiberge.

Generell war er fasziniert von den Bergen: „Ich war eher ein Einzelgänger, die Berge waren meine Freunde. Die haben nicht gefragt, ob ich arm oder reich bin oder wer ich bin“, sagt der Jubilar. Er habe von zu Hause nicht viel mitbekommen, aber ihm wurden Grundsätze mit auf den Weg gegeben.

So habe er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Dieser brachte ihn auch zu einer Revolution im Skilehrerwesen. Er führte als Skischulleiter die so genannte „Topf-Skischule“ ein und beteiligte die Skilehrer am Gewinn. „Damit hab’ ich mir gleich alle Skischulleiter zum Feind gemacht“, sagt Koller. Sein Weg zum Skischulleiter war allerdings kein leichter. Denn eine solche Karriere blieb ihm vorerst von seinem Vater untersagt. „Die Skilehrer waren damals alle als Stenz verschrien und somit musste ich Verkäufer lernen, noch dazu in einem Stoffladen in Innsbruck“, sagt Koller.

In der Nazizeit wurde er dann arbeitslos und der Kitzbüheler Jack Lackner hat ihn als Skilehrer verpflichtet. „So habe ich damals Nazibonzen das Skifahren gelernt und nach dem Krieg halt dann den amerikanischen Offizieren“, schildert er.

Aber bevor er dann endgültig in das Skischulwesen einstieg, wurde er Rennläufer und gewann das erste Hahnenkammrennen nach dem Krieg im Jahr 1946. Er machte dann am Arlberg die Skilehrerausbildung und danach kam ihm wieder sein Gerechtigkeitssinn in die Quere. „Ich habe nicht akzeptieren können, dass die alten Skilehrer viel verdient haben und die jungen fast nichts“, schildert Koller. Er hat dann einen Verein gegründet, aus dem schließlich die berühmte Kitzbüheler Skischule „Die roten Teufel“ hervorging.

Gemeinsam mit dem Künstler Alfons Walde setzte er einen weiteren Meilenstein: rote Pullover und rote Zipfelmützen als Arbeitsbekleidung für die Skilehrer. Noch bis heute ist diese rote Kleidung das Erkennungsmerkmal des Berufsstandes.

Schon in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts setzte er Skier mit einer Länge von 140 und 170 cm ein. „Mit kurzen Skiern kann man das Skifahren viel leichter lernen“, sagt Koller. Damals stieß er auf Unverständnis, heute sind die kurzen Skier Standard. Weiters erfand er die Kinderskischule, mit speziell abgestimmtem Unterricht und er war mit seiner „Teufelspiste“ im Jahr 1971 der Begründer des modernen Skicross.

In Kitzbühel leitete Koller aber nicht nur die Skischule, auch dem TVB stand er als Obmann vor. „Ich bin froh, in einer Zeit gelebt zu haben, wo ich noch etwas ändern konnte“, sagt Koller. Was er in einem zweiten Leben anders machen würde? „Nichts, denn damals war die Zeit anders. Im Rückblick ist immer alles leichter.“