Tiroler Sterngucker

Der Griff nach den Sternen kostete eine Bildersammlung

Der Himmel über Innsbruck ist noch immer derselbe. Die Art, ihn zu beobachten und zu erforschen, hat sich allerdings sehr verändert.

Von Gabriele Starck

Innsbruck – Der Sternkatalog liegt am Tisch, die Atomuhr steht daneben. Jetzt heißt es in der Kälte der Nacht im Licht einer möglichst schwachen Lampe rechnen: Wohin muss zu dieser Stunde das Teleskop geführt werden, damit tatsächlich das Licht des gewünschten Himmelsobjekts auf Spiegel oder Linse des Teleskops fällt. Sich zu verrechnen, bedeutet, plötzlich auf etwas ganz anderes oder gar ins Dunkel des Universums zu blicken.

Selbst Hobbyastronomen können sich ein derartig umständliches Berechnen der Sternenpositionen heutzutage sparen. Längst gibt es elektronische Helferlein. Und die Profis lächeln ohnehin: Kein Astrophysiker käme bei seiner Forschung auch nur auf die Idee, direkt durch ein optisches Teleskop zu blicken. Lernen mussten sie es dennoch irgendwann einmal. „Das gehört einfach zum Basiswissen“, sagt der Innsbrucker Astronom Herbert Hartl, der Studierende viele Jahre am Coudé-Linsenteleskop in Hötting in die praktische Himmelsbeobachtung einführte.

In den vergangenen vier Jahren aber hat sich Hartl den noch sehr viel älteren astronomischen Instrumenten der Historischen Sternwarte im Botanischen Garten gewidmet. In liebevoller Kleinarbeit haben er und viele Helfer das erste Observatorium in Innsbruck, die Oppolzer-Sternwarte, restauriert und zu einem schmucken kleinen Museum verwandelt.

Egon von Oppolzer, der im Jahr 1901 als Astronom an die Uni Innsbruck berufen wurde, errichtete von seinem eigenen Geld – er verkaufte dafür die Gemäldesammlung der Familie – die Sternwarte in Hötting. Mit für die damalige Zeit neuen Ideen, wie der Innsbrucker Historiker Martin Köpl in seiner Diplomarbeit beschreibt. Statt einen Prunkbau wie in Wien hinzustellen, verpasste er seinem Observatorium nur sehr dünne Wände und ein leichtes Dach. So konnte sich die Temperatur in der Sternwarte schnell an die Außentemperatur angleichen, was Luftunruhen verminderte, die die Qualität von Teleskopaufnahmen beeinträchtigen. Lange arbeiten konnte Oppolzer mit seiner Sternwarte nicht. 1907 starb er an einer Blutvergiftung, zwei Jahre später kaufte Österreich der Familie die Sternwarte für die Universität ab.

Heute werden am Standort Hötting nur noch die allerersten astronomischen Gehversuche vermittelt. „Danach lernen die Studierenden am 60cm-Spiegelteleskop auf dem Dach der Technik, wie man mit modernen Teleskopen und deren Computersteuerungen arbeitet“, erzählt Hartl. Denn nur so können die angehenden Astrophysiker auf die riesigen Teleskope der Europäischen Südsternwarte ESO vorbereitet werden. Teleskope, die nicht mehr in Uni-Städten, sondern in der Wüste in großen Höhen stehen, um alle irdischen Einflüsse so gering wie möglich zu halten. Teleskope, die bis zu einer Milliarde Euro kosten. Eine Kunstsammlung reicht da zur Finanzierung nicht mehr aus.

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Historische Sternwarte

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