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„Ich werde wahrscheinlich einen Allrad brauchen“

Die bange Suche nach einem Sprengelarzt ist vorbei. Ab Mai praktiziert wieder ein Arzt in Pians. Richard Antwi hat seine Wurzeln in Ghana.

Von Matthias Reichle

Pians –4735 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Pians und Accra, der Hauptstadt von Ghana. Was die beiden Orte verbindet? Richard Antwi! Der neue Pianner Doktor hat seine Wurzeln in Westafrika – wo er 1963 geboren wurde, die Schule besucht und Biologie studiert hat. „1990 bin ich dann zum Medizinstudium nach Innsbruck gekommen“, erzählte der Mediziner, „1999 wurde ich österreichischer Staatsbürger.“ Gestern statteten er und seine Frau Maria den Bürgermeistern Peter Rauchegger (Pians), Thomas Lutz (Grins), Franz Kathrein (Tobadill) und Harald Siess (Strengen) einen Besuch ab. Dass die Oberländer Gemeinde nun eine neue Station auf seinem Lebensweg wird, freut vor allem die betroffenen Dorfchefs, die seit Ende letzten Jahres ohne eigenen Doktor in ihrem Sprengel sind – die TT hat berichtet. Zahlreiche Ausschreibungen liegen hinter ihnen. Eine wahre Odyssee hat auch so mancher Kranke in dieser Zeit auf sich nehmen müssen, wie die Obfrau des Sozialvereins Christine Handl bei dieser Gelegenheit erzählte: „Es war schlimm.“

Aber warum ist es so schwer für ländliche Gemeinden, einen Mediziner zu finden?

„Die Lage und die fehlende Hausapotheke“, betont Antwi. In der Tiroler Tageszeitung hat er über die Schwierigkeiten der Region bei der Suche nach einem Arzt gelesen. „Machen Sie sich doch selbst ein Bild“, war der Rat einer Mitarbeiterin der Ärztekammer, worauf er sich selbst ins Auto gesetzt hat. „Es war ein super Wetter und ich hab’ mir gut vorstellen können, hier zu arbeiten.“ Die Menschen seien sehr nett. „Ich brauch’ wahrscheinlich einen Allrad, aber sonst ist’s okay.“

Die Region machte ihm freilich ein Angebot, das äußerst attraktiv war, ergänzt er. So haben die Sprengelgemeinden die Ablöse von rund 30.000 Euro gezahlt, die Gemeinde Pians adaptiert die Praxis außerdem um weitere 25.000 Euro.

Richard Antwi wird nun zum Teil in Pians wohnen, zum Teil in seiner Wohnung in Innsbruck. Er habe zwei Kinder, einen 14-jährigen Sohn und eine elfjährige Tochter, betonte der Mediziner, die begeisterte Skifahrer sind. Sein Herz hingegen schlage für den Fußball.

Was die Hausapotheke anbelangt, gibt es vorerst noch keine Lösung. Aber es wurde ein Kompromiss mit dem Apothekenkammerchef ausgearbeitet. Medikamente darf der Pianner Doktor nur bei Hausbesuchen und akuten Notfällen ausgeben – sonst bleibt seinen Patienten eine Fahrt nach Landeck nicht erspart.

Das große Ziel bleibe aber weiterhin eine Hausapotheke im Ort, so Rauchegger.