Von Ukraine abgehörte Telefonate legen Krim-Moskau-Connection nahe
Kiew/Moskau (APA) - Während in der Umgebung von Donezk ein möglicher Antiterroreinsatz gegen Separatisten bevorstehen könnte, veröffentlicht...
Kiew/Moskau (APA) - Während in der Umgebung von Donezk ein möglicher Antiterroreinsatz gegen Separatisten bevorstehen könnte, veröffentlichte der ukrainische Geheimdienst SBU Anfang der Woche erstmals abgehörte Telefongespräche. Diese sollen aufschlussreiche Einblicke in die Operationen pro-russischer Freischärler im Osten der Ukraine geben.
Die Veröffentlichung liegt enge Beziehungen zwischen pro-russischen Freischärlern und einem russischen Koordinator nahe, den ukrainische Medien als den Moskauer Politologen Aleksandr Borodaj outeten. Dieser gilt als wichtiger Verbindungsmann zwischen dem Kreml und dem von Kiew nicht anerkannten Krim-Premierminister Sergej Aksjonow. Im umkämpften Slowjansk (Slawjansk) selbst, so erklärte der SBU am Dienstag, würden die pro-russischen Kräfte von einem Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU angeführt.
Die Telefonate, die insgesamt sechs Minuten lang sind, sollen am vergangenen Sonntag aufgezeichnet worden sein. Sie beziehen sich insbesondere auf die Operation pro-russischer Freischärler in der ostukrainischen Stadt Slowjansk.
Der unter dem Decknamen „Strelok“ (Schütze) auftretende Kommandant der pro-russischen Operation in der Stadt erstattete in seinen Telefonaten Rapport. Er telefoniert mit einem gewissen Konstantin Walerjewitsch aus Russland, dem er ausführlich von der Zerstörung gegnerischer Fahrzeuge berichtete. In diesen wären ukrainische Antiterrorspezialisten unterwegs gewesen.
Walerjewitsch ersuchte den Kommandanten dabei explizit, auch Aksjonow Rapport zu erstatten: Er (Konstantin, Anm.) würde Aksjonow am Montag treffen: Die Rede ist höchstwahrscheinlich von Sergej Aksjonow und Konstantin Walerjewitsch dürfte sich wohl in Moskau befinden: Der von Kiew nicht anerkannte Krim-Premierminister Aksjonow traf sich am Montag mit Russlands Präsident Wladimir Putin in dessen Präsidentenresidenz unweit der russischen Hauptstadt.
In einem anderen Telefonat mit einem „Aleksandr aus Russland“ erzählte der Kommandant ein weiteres Mal, wie der ukrainische Angriff erfolgreich gestoppt worden sei. „Meine Burschen haben sich einen römischen Einser verdient“, lobte er seine Männer. Wenn nötig, werde man bei einem Angriff einige Tage lang die Stellung halten können.
Zudem vermittelte „Aleksandr aus Russland“ ein Interview mit dem Moskauer Internetfernsehsender Lifenews, der sich zuletzt durch omnipräsente Korrespondenten im Osten und Süden der Ukraine und eine äußerst propagandistische Darstellung der Vorgänge ausgezeichnet hatte. „Aleksandr“ erinnerte dabei nicht nur an die politischen Forderungen, die zu stellen seien, er empfahl auch, dass sich nicht der Kommandant selbst, sondern sein mit ukrainischem Akzent sprechender Stellvertreter zu Wort melden solle. Beim Kommandanten soll es sich nach SBU-Angaben um den russischen Staatsbürger Igor Strelkow handeln, der ein Offizier des russischen Militärgeheimdienstes inn der Hauptverwaltung für Aufklärung im Generalstab (GRU) sein soll.
Ukrainische Medien erklärten noch am Montag, dass es sich bei „Aleksandr“ um den Moskauer Politologen Aleksandr Borodaj handeln würde. Dessen Stimme ist jener von „Aleksandr“ äußerst ähnlich. Borodaj, der als Autor der rechtsnationalen Wochenzeitung „Sawtra“ („Morgen“) auftritt, hatte zuletzt öffentlich wiederholt eine Zerstörung des ukrainischen Staates propagiert. Borodaj hatte am 21. Februar in einem russischen Videoblog erklärt, es sei sehr richtig und vernünftig, den Osten und Süden der Ukraine sowie die Krim irgendwie an Russland anzuschließen. In einem weiteren Video des Politologen, das am Montag veröffentlicht wurde, war von „technischen Schwierigkeiten“ die Rede, in diesen Tagen Donezk zu bereisen. „Natürlich habe ich dort Bekannte, die mich auf Laufenden halten“, sagte Borodaj im Gespräch mit dem russischen Journalisten Andrej Fefelow.
Bei Fefelow handelt es sich um den Sohn des bekannten russischen Schriftstellers und Publizisten Aleksandr Prochanow, der als Vordenker eines imperialen Russland gilt und sich stets durch eine zumindest ideologische Nähe zu Geheimdienst und Militär ausgezeichnete. In Russland wurde der Schriftsteller daher auch immer wieder als „Nachtigall des Generalstabs“ bezeichnet.
Prochanow ist gleichzeitig aber auch der Chefredakteur der Wochenzeitung „Sawtra“, als dessen Autor Borodaj auftritt. In der Politszene, so erklärte ein russischer Experte gegenüber der APA, gelte Borodaj als Mann von Wladislaw Surkow. Dieser ehemalige „Chefideologe des Kremls“, Geschäftsmann und Politiker war zuletzt maßgeblich und in offiziellem Auftrag für die russische Ukrainepolitik verantwortlich.
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