Kunst

Poetische Utopien eines Unangepassten

Mit „egone, Pop Poet“ erinnern Stadtmuseum Innsbruck und Galerie Nothburga an den 2002 verstorbenen Egon Scoz.

Von Ivona Jelcic

Innsbruck –Die einst von egone bunt auf schwarzem Grund bemalte Straßenbahngarnitur fährt längst nicht mehr, aber sie hat die unverkennbare Zeichenwelt des 2002 im Alter von nur 51 Jahren verstorbenen Innsbrucker Künstlers jahrelang zum Teil des Stadtbilds werden lassen. Da und dort aber begegnet man dem bunten Kosmos aus Zeichen und Symbolen, Texten und Schriftbildern von Egon Scoz auch im öffentlichen Raum noch, etwa an der Fassade eines Friseursalons in der Innsbrucker Heiliggeiststraße.

Derzeit außerdem in geballter Form im Innsbrucker Stadtmuseum/Stadtarchiv, für das Elio Krivdic eine egone-Retrospektive zusammengestellt hat, die in der Galerie Nothburga (dort allerdings nur noch bis 19. April!) eine Erweiterung erfährt. Werke aus dem Nachlass, aus Privatbesitz und aus öffentlichen Sammlungen geben Einblick in das Schaffen dieses unkonventionellen Autodidakten, der als echtes Original und personifizierte Gegenkultur die Innsbrucker Kulturszene der 1980er- und 90er-Jahre bereichert hat.

Und mit seiner von Pop-Art und Graffiti inspirierten Kunst auch ganz plakative Zeichen für eine bessere, buntere Welt im typischen, dekorativen egone-Gewand und mit ebenso typischen Botschaften setzte: „Friede ist wunderbar“ etwa, unter eine Zeichnung von 1980 geschrieben. Und man kommt gerade ob der heiteren Naivität dieser Feststellung nicht umhin zuzugeben: Da ist durchaus was dran.

Die eigene Lebenswirklichkeit, das intensiv gelebte, auch das prekäre Künstlerdasein, der Kunstbetrieb und schließlich die Popkultur sind das Referenz- und Inspirationsfeld von Egon Scoz, der Innsbruck nie dauerhaft verlassen hat, aber stets weit über den Tellerrand hinausschauen wollte. In den USA erobert ab Anfang der 1980er- Jahre mit Keith Haring die Street-Art die elitäre Kunstwelt – unübersehbar nähert sich egone in den späten Achtzigern in seinen Acrylbildern formal an Haring an.

Ganz anders als in den viel eigenständigeren Ölkreidegemälde auf schwarzem Papier, in denen er die eigenen Icons zu „panoptischen Poesien“ zusammenfügte. Gefüttert aus jenem Motive-Kanon, dem er zum Teil schon in ganz frühen Gouachen anzulegen begonnen hatte.

Neben diesen Stationen künstlerischen Schaffens zeigt die schön gestaltete Schau im Stadtmuseum auch unzählige, von egone vollgezeichnete Hefte im Postkartenformat, bemalte Alltagsgegenstände, Blumenbilder sowie solche aus dem 1994/95 entstandenen, 13-teiligen Zyklus „Das Melodrama der Popmusik“, zu denen man die entsprechenden Songs von Leonard Cohen, Bob Dylan oder den Sparks auch nachhören kann.

Ein wunderbares Beispiel für den ironisch-kritischen Umgang mit der Konvention sind schließlich Text-Bild-Arbeiten wie die „Patscherkofel-Rechtschreibungen“ von 1998. Vom „BAT SCHA DA KOFEL“ über den „BAHDSCHAA KOVEL“ bis zum „PATTSCHARKOFL“ alles dabei, was an liebevoller Verballhornung denkbar ist. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.