Standort Tirol

Milder Winter ist für Bau zweischneidiges Schwert

Wirtschaftskammer sieht im moderaten Winter nicht nur Vorteile. Ein Oberländer Bankinstitut zieht trotzdem eine positive Bilanz.

Von Hubert Daum

Karrösten, Imst –Die Entwicklung in der schon seit Langem anhaltenden Niedrigzinsphase ist nicht neu: weniger sparen, bleibende Werte im Immobilienbereich schaffen. Für Häuslbauer ist dies meist nur mit Hilfe eines Kredites möglich. Wolfgang Schwarz aus Karrösten realisierte seinen „Wohntraum“, indem er seine Hälfte des 55 Jahre alten Doppelhauses in sonniger Hanglage in ein modernes Energieffizienzhaus verwandelte. Begleitet wurde der Bauherr vom „Wohnquadrat“, der Abteilung eines Oberländer Bankinstitutes für Bauen und Wohnen. Die Vorstände Meinhard Reich und Martin Haßlwanter nahmen die Gelegenheit in der Bauendphase vor Ort wahr, um zum Thema Baufinanzierung Bilanz zu ziehen.

„Wir begleiten im Jahr rund 400 Wohnbauprojekte“, führte Reich aus, „und sind damit die klare Nummer eins in Sachen Bausparfinanzierung unter den Tiroler Instituten. Das Wohnbaufinanzierungsvolumen hat sich in den vergangenen Jahren stetig nach oben entwickelt und belief sich 2013 auf rund 42,5 Millionen Euro.“ In Landeck habe man einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen können. Der Leiter des „Wohnquadrates“ Andreas Huter ergänzte: „Es gibt einen klaren Trend in Richtung Wohnung in Ballungszentren und dem so genannten Speckgürtel. Wir kümmern uns auch um die Wohnbauförderung. Im letzten Jahr erledigten wir für unsere Kunden insgesamt 317 Ansuchen. Die Förderoffensive des Bundes für thermische Sanierung wird in diesem Jahr übrigens fortgesetzt.“

LA Jakob Wolf bestätigt den Andrang auf Sanierungsförderungen: „Förderungen für Energiesparmaßnahmen erleben einen Boom. Dass dadurch die Branche angekurbelt wird, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Ich appelliere an die Bürger, noch heuer Förderanträge für Sanierungen einzureichen, weil die Bewilligung nur noch in diesem Jahr nicht vom Einkommen des Werbers abhängig ist.“ Auch die Bautätigkeit der gemeinnützigen Wohnbauträger im Bezirk sei im Volumen beachtlich.

Dass ein milder Winter nicht gleich einen Boom in der Baubranche erzeugt, gibt Wirtschaftskammerobmann Joe Huber zu bedenken: „Was nützt es, wenn die Witterung gute Voraussetzungen schafft, aber die Zahl der Aufträge nicht steigt? Das Oberland ist touristisch geprägt. Und in der Saison wird in den Hotels nicht gebaut.“ Außerhalb des touristischen Bereiches sei natürlich mehr weitergegangen als in anderen Jahren. Ein schneearmer Winter heiße andererseits für die Gastronomiebetriebe weniger Umsatz. Das wiederum habe weniger Bautätigkeit zur Folge. Huber: „Denken wir aber an die Arbeiter, die hatten es sicher angenehmer.“