Gesellschaft

Landecker Mahnmal gegen den Krieg wurde saniert

Am Friedhof bei der Landecker Waldkapelle sind 42 Kriegstote bestattet, nicht nur Wehrmachtsangehörige, sondern auch Ukrainer.

Von Matthias Reichle

Landeck –Was haben Johann Wieser, Lydia Baranowitsch, Iwan Bryk, Heribert Pannek und Franz Bauer gemeinsam? Sie alle liegen auf dem kleinen Friedhof der Landecker Waldkapelle. Versteckt hinter der kleinen Kirche, die am Weg hinauf zur Trams steht, erinnern ihre Gräber an ein Stück dunkle Geschichte. Jene die dort bestattet wurden, waren entweder Teil der Wehrmacht oder Ukrainer, die in den Kriegsjahren in und um Landeck getötet oder verstorben sind.

Kurz vor Ostern, nahm sich das Schwarze Kreuz auf Initiative von Oberst a. D. Gerold Parth des Gottesackers, der inzwischen schon von Sträuchern überwuchert wurde, an. Man hat die Gräber wieder hergerichtet, die Betreuung wird künftig Doris Thönig übernehmen.

Aber wer waren die Menschen, die dort liegen genau? „Keine Landecker“, betont Parth. Einzelschicksale sind heute keine mehr bekannt. Der höchstrangige Offizier sei ein Generalleutnant Willem Havelaar, der mit 41 anderen 1977 zur Waldkapelle umgebettet worden war, nachdem der städtische Friedhof zu klein wurde: 13 Wehrmachtsangehörige und knapp 30 Ukrainer. Auch Flüchtlinge haben nach Bundesgesetz ein dauerhaftes Ruherecht.

Betreut hat die Umbettung damals der Landecker Chronist Georg Zobl, der sich intensiv mit der Landecker Geschichte beschäftigt hat. Nach dem Ende des Weltkriegs lebten in Landeck rund 4000 Menschen – und fast ebenso viele Ausländer, die „im Lager“ untergebracht worden seien, berichtet er. „Eine Stadt in der Stadt mit eigenen Ärzten, Schule und Lehrwerkstätte.“ Dort lebten unter anderem Russen, Ukrainer und Polen, die mit den Deutschen konspiriert hatten und deshalb beim Rückzug der deutschen Truppen mitgeflüchtet sind, erinnert er.

So fanden sich viele am Ende des Krieges in Landeck wieder. Die Sterberate war hoch, so Zobl, der Friedhof sei bereits nach wenigen Jahren zur Hälfte allein mit Ausländergräbern belegt gewesen.

Unter ihnen auch Prominente, erinnert sich der Stadtarchivar. Zum Beispiel Prälat Wladymir Lewycki – damals der zweithöchste Vertreter der unierten Kirche in der Ukraine. Als die Überreste der Kriegstoten in den 70ern in den Waldfriedhof umgebettet werden sollten, wehrten sich dessen Angehörige jedoch – sein Grab sei inzwischen aufgelöst, so Zobl.

Nicht im Waldfriedhof bestattet wurden jedoch jene Kriegsgefangenen die in den drei Lagern inhaftiert waren, die in den Jahren zwischen 1941 und 1943 errichtet worden waren. Im Zweig­lager Landeck dürften 800 bis 1200 Menschen eingesperrt gewesen sein.

Für Hermann Hotter, Chef des Schwarzen Kreuzes und des Kameradschaftsbundes in Tirol, sind die Gräber ein Mahnmal gegen den Krieg, wie er bei der Präsentation der Sanierung mit Bürgermeister Wolfgang Jörg und Vertretern des Kameradschaftsbundes zum Ausdruck brachte.