Gesellschaft

„Die Hälfte der Kinder haben keinen Schulabschluss“

Concordia Sozialprojekte betreut in Sofia 150 Kinder und Jugendliche. Zu Ostern wurde ein Familienhaus eröffnet. Jetzt sammelt die Initiative Spenden für einen Kleinbus.

Innsbruck, Sofia – 150 Kinder und Jugendliche betreut das österreichische Sozialwerk Concordia in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Einige sind Waisen, andere können bei ihren Eltern infolge von schweren Erkrankungen, Alkoholproblemen und Straftaten nicht mehr bleiben. „Sie kommen zu uns ins Heim“, berichtet Pater Markus Inama SJ, der 2008 damit begonnen hat, verwahrlosten Jugendlichen in Sofia zu helfen. Die Concordia-Sozialarbeiterinnen und -arbeiter gehen auch hinaus und besuchen wöchentlich die Armenviertel von Sofia. Sie versuchen, die Familien mit Kleidung, Lebensmitteln und medizinischem Rat zu unterstützen.

Viele Unterkünfte sind in den Armenvierteln während der vergangenen Jahre illegal errichtet worden. Grund ist die miserable wirtschaftliche Lage und die Landflucht. Auch die sozial Schwächsten drängen in die Stadt, finden aber keinen Zugang zum Wohnungs- und Arbeitsmarkt. „Das Elend ist dort groß. Ein Ofen, ein Bett, schlechte hygienische Bedingungen. 50 Prozent der Kinder machen keinen Grundschulabschluss. Wie auch? Sie fühlen sich schmutzig, haben keine Hilfe bei den Hausübungen. Man braucht sie zum Holzsammeln“, erklärt Pater Inama die Situation.

Zu Ostern hat ein neues Familienhaus am Stadtrand von Sofia seine Türen geöffnet. Je vier Burschen und Mädchen zwischen vier und 13 Jahren finden dort ein Zuhause. Sie werden von drei Erziehern und Sozialarbeiterinnen betreut. Auch Christian, den Pater Inama vor zwei Jahren kennengelernt hat, soll dort Geborgenheit finden. Seine Mutter ist schwer krank. „Es hieß, dass Christian schwer zugänglich sei. Doch er gewöhnte sich langsam an die Gemeinschaft. Eine Logopädin arbeitete mit ihm. In der Schule wird er speziell gefördert.“ Wie Pater Inama betont, ist den Veranstwortlichen des Hilfsprojekts bei allen Aktivitäten der Kontakt zu den Herkunftsfamilien wichtig. Man vertraut darauf, dass sich etwas zum Guten ändert.

„Wir benötigen dringend einen Kleinbus“, sagt Pater Inama. Damit können die Kinder zur Therapie und Behörden begleitet, aber auch kleinere Kinder in die Schule gebracht werden. Weiters soll der Bus auch Kinder, die zur Tagesbetreuung kommen, um sich zu waschen und zu essen, transportieren. Pater Inama: „Uns sind auch sportliche Aktivitäten wichtig. Die Kinder mögen Karate und Tanz.“ In den Ferien sollen Ausflüge mit dem Bus unternommen werden.

Pater Inama bedankt sich im Namen der Kinder und hofft auf die Unterstützung der Leserinnen und Leser der Tiroler Tageszeitung. (sst)