Baumschlägerung stieß bei Anrainern auf Protest
ÖBB ließen Bäume an Böschung im Kufsteiner Stadtteil Zell fällen. Anrainer und Stadtpolitiker fürchten um wichtigen Grünstreifen.
Von Brigitte Eberharter
Kufstein –Anrainer der Herzog-Stefan-Straße in Kufstein wurden vergangene Woche in Aufregung versetzt. Mitarbeiter der Österreichischen Bundesbahnen haben Bäume an der Böschung zwischen ÖBB-Parkplatz und Siedlungsgebiet gefällt. Informationen blieben die ÖBB gegenüber den Anrainern angeblich schuldig. Daraufhin hat die Stadt die Schlägerung eingestellt.
Just in dem Moment begann es zu regnen, als sich vorgestern ein Grüppchen von Leuten zum Lokalaugenschein an der besagten Böschung traf. Josef Petter ist jener Anrainer, der sich bei den Holzarbeiten zu den Arbeitern vorwagte, um zu erfahren, was diese vorhatten.
„Ich wurde dann vom Grund verwiesen und erhielt die Antwort, dass der Maschinenring bereits den Auftrag habe, im Herbst alles abzuholzen“, erklärt Petter, worauf dieser aufgebracht mit dem Bahnmeister telefonierte, aber keine zufriedenstellende Antwort erhielt.
Als suboptimal bezeichnet Robert Huber, Leiter Streckenmanagement und Anlagenentwicklung bei der ÖBB Infrastruktur AG, diese Auskunft. „Wir haben unter dieser Böschung Verkehrsflächen und betreiben dort auch den Park & Ride-Platz. Wir müssen präventive Maßnahmen ergreifen, um eine Gefährdung und damit zusammenhängende Haftungsfragen vorab bestmöglich auszuschließen“, argumentierte er gegenüber der TT.
Hundertprozentig ausschließen könne er aber die Aussage, dass der gesamte Bestand gefällt würde. „Das ist gar nicht möglich. Diese Fläche hat eine andere Widmung und man muss anders vorgehen als bei den Bäumen, die unmittelbar neben der Bahn wachsen“, erklärt Huber. Er weiß auch, dass er von der Forstbehörde dafür niemals die Genehmigung bekommen würde.
Die Anrainer sind aufgebracht, denn dieser Grüngürtel besitze für sie einen hohen Erholungs- und Umweltschutzwert. Auch Herbert Gschwentner von der Forstabteilung der Stadt Kufstein sieht darin einen hochwertigen Gehölzstreifen. Etwa 30 Bäume wurden bereits umgeschnitten, bevor er eine Einstellung erreichen konnte. Seitens der Bezirksforstinspektion Kufstein hat Hans-Peter Schroll eine Anzeige gegen die ÖBB eingeleitet. Auch die Stadt Kufstein steht hinter den Anrainern, wie Vize-BM Richard Salzburger den Anwesenden erklärte. Reinhard Mühlmann vom Heimatschutzverein Kufstein forderte eine Baumschutzverordnung, so wie dies in vielen Orten vorhanden ist. Ein entsprechender Antrag wurde laut Mühlmann bereits vor einem Jahr bei der Gemeinde eingebracht, allerdings wurde dieser zurückgestellt. Welche Bäume letztendlich aus Sicherheitsgründen noch gefällt werden müssen, das wird voraussichtlich in der nächsten Woche abgeklärt. „Eine Durchforstung ist kein Problem, aber eine Genehmigung dafür bekommt man nur, wenn genau geklärt ist, welche Bäume herauskommen“, sagt Gschwentner.
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