Wipptals Gemeinden bieten Land Flüchtlingsplätze an
Nicht Gries alleine, sondern die zwölf Gemeinden der Region könnten laut Planungsverbandsobmann BM Alfons Rastner Familien aufnehmen.
Von Nikolaus Paumgartten
Gries a. Br. –In Gries am Brenner sitzt der Schock tief. Das zumindest erzählt Bürgermeister Karl Mühlsteiger aus seiner Gemeinde. Am vergangenen Wochenende musste er wegen des geplanten Flüchtlingsheimes für rund 50 Personen – die TT berichtete – extra Amtsstunden abhalten und sich die Sorgen zahlreicher Bürgerinnen und Bürger anhören. „Es war keine einzige positive Meldung dabei“, sagt Mühlsteiger und betont einmal mehr, dass ein Ort wie Gries nicht für ein Heim dieser Größenordnung geeignet sei.
Dagegen spreche nicht nur die schlechte Infrastruktur in Gries, was Freizeitmöglichkeiten und Plätze in Kindergarten und Schule betrifft, sondern auch die mangelnde Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz sowie die negativen Erfahrungen rund um jenes Flüchtlingsheim, das bereits Anfang 1990 in Gries eingerichtet war und schließlich vom Land geschlossen wurde.
Nun hat sich Mühlsteiger im Kampf gegen das geplante Heim die Unterstützung von VP-NR Hermann Gahr und Mühlbachls Bürgermeister Alfons Rastner, seines Zeichens Obmann des Planungsverbandes Wipptal, gesichert. Und Rastner präsentierte gestern einen möglichen Lösungsvorschlag. Statt alle Flüchtlinge in Gries unterzubringen, könnten diese auf die zwölf Gemeinden des Wipptals und der Seitentäler aufgeteilt werden. So hätten die Familien bessere Chancen, sich im Dorfleben zu integrieren. Die Infrastruktur in den Dörfern würde nicht über die Maßen beansprucht und die Gemeinden könnten ihre neuen Bürger auch beschäftigen, etwa auf den örtlichen Bauhöfen. Die Gefahr eines „Flüchtlingsghettos“ in Gries wäre damit Rastner zufolge jedenfalls gebannt. Bereits jetzt leben in der Region laut Rastner 14 Flüchtlingsfamilien mit 58 Personen, der Großteil – elf Familien bzw. 45 Menschen – sind in Steinach untergebracht. Die anderen Gemeinden des Planungsverbandes hätten also durchaus das Potenzial, die ein oder andere Familie aufzunehmen, ist Rastner überzeugt. Er hofft, dass es diesbezüglich bald konkrete Gespräche mit der für das Flüchtlingswesen zuständigen Landesrätin Christine Baur (Grüne) geben wird.
Doch nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene werde man sich bemühen, dieses Heim in Gries zu verhindern. NR Hermann Gahr kündigte gestern an, eine Petition gegen das Asylwerberheim im Nationalrat einzubringen. Diese soll im Petitions-Unterausschuss behandelt und schließlich dem Ministerium zur Prüfung zugewiesen werden, so Gahr, der außerdem weitere Gespräche mit politischen Vertretern von Land und im Bund führen will.
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