Test

Gläsern und stählern aus Bayern

Die Welt der hohen Fahrgenuss versprechenden 4er Cabrios erschließt sich den Kunden erst ab einem Betrag von wenigstens 50.000 Euro.Foto: Höscheler

Professionell ist BMW mit dem 420d Cabrio unterwegs: Das Metallklappdach macht den Open-Air-Hecktriebler zum Vier-Jahreszeiten-Gespielen, die üppige Ausstattung lässt ihn der Mittelklasse entgleiten.

Von Markus Höscheler

Ranggen –Die Zutaten, das gleich vorweg, passen: BMW nimmt das Gardemaß der fahrdynamischen Mittelklasse, den 3er, als Basis, bastelt unter hohem Aufwand ein Cabrio mit elektrisch zu betätigendem Metallklappdach daraus und bietet ihn mit ausgewählten, bewährten Aggregaten des firmeneigenen Motorenportfolios hochpreisig an. Alles gesagt? Nicht ganz. Das Marketing hatte ein Wörtchen mitzureden, nicht nur die Entwicklungsabteilung. Statt beim 3er Cabrio einem namensidenten Erben die Nachfolge zu überlassen, lauten die neuen Open-Air-Mittelklasse-Vertreter auf die Bezeichnung „4er“ – analog zum bereits am Markt gestarteten Coupé und zum bald startenden Gran Coupé mit vier Seitentüren.

Den Varianten-Schwall vor Augen, mutet es fast schon als Wohltat an, dass BMW das neue Cabriolet übersichtlicherweise (vorerst) nur mit drei Motoren offeriert, beginnend mit dem uns zugeteilten, 184 PS starken Zweiliter-Vierzylinder-Turbodiesel. Der lässt kein Öl anbrennen, entfaltet bereits ab 1750 Umdrehungen 380 Newtonmeter maximales Drehmoment, harmoniert bestens mit der stets wachsamen und blitzschnell reagierenden Achtgangautomatik. Lediglich beim Kaltstart dürften herumstehende 4er-Cabrio-Anbeter von der Lautstärke des Aggregats überrascht sein. Im geschlossenen, mit reichlich Leder ausgeschlagenen Innenraum macht sich das Metallklappdach wohltuend bezahlt, indem es lästige Geräusche vom Eindringen abhält. Und beim Offen-Fahren übernehmen die Windgeräusche die Rolle des Übertöners. Um davon Kenntnis nehmen zu können, bedarf es der elektrisch geleiteten Zusammenfaltung des Hardtops im Kofferraum. Das gelingt auch während der Fahrt, wenngleich nur bei sehr geringem Tempo.

Die Cabriolet-Nutzung hat zur Folge, dass sich der Kofferraum um mehr als ein Drittel von 370 auf 220 Liter reduziert. Sollte dies die Laune trüben, empfiehlt sich ein beherzter Gasstoß, um dem durchschnittlich 6,4 Liter konsumierenden Selbstzünder Arbeit zu verschaffen. Dass sich während des Trips das ausgewogene Fahrwerk und die direkt-präzise Lenkung ebenso BMW-typisch in Szene setzen können, dürfte das Gemüt aufhellen – sofern die 67.444 Euro (Testwagenpreis, Basis sind 50.000 Euro) Anschaffungskosten bereits verdaut sind.