Bühne

Dunkelgraues Donnerwetter

Anspruchsvolle Osterfestival-Kost: Olivier Dubois’ Choreographie „tanz Élégie“.

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Das Anfangsbild ist düster, die Atmosphäre spürbar bedrohlich – in der Dogana zieht ein akustisches Gewitter auf, Donnergrollen erfüllt den stockdunklen Zuschauerraum, tiefschwarz ist’s auch auf der Bühne, wo sich nur schemenhafte Bewegungsblitze erahnen lassen. Choreograph Olivier Dubois setzt in seinem Stück „tanz Élégie“ auf die Macht der Finsternis, ins Rampenlicht werden die Tänzer vom Ballet National de Marseille erst zum Schlussapplaus geschickt, der vom Osterfestival-Publikum zunächst allerdings nur spärlich gespendet wird. Doch nach kurzem Zögern brandet dann doch Begeisterung auf, wird vereinzelt sogar laut gejubelt.

Kalt gelassen hat dieser Abend wohl niemanden, gefallen hat er aber auch nicht jedem. Dubois’ Choreographie, die im Vorjahr in Marseille uraufgeführt wurde, ist keine leichte Kost, kein gefälliges Dokument anmutiger Körperkunst – der Franzose gilt als Rebell der Szene, wo Dubois draufsteht, ist Anspruch drin, wird man als Zuschauer gefordert. Manchmal sogar überfordert. Für „tanz Élégie“ ließ sich Dubois von Rainer Maria Rilkes „Duineser Elegien“ inspirieren, die der Dichter im Zeitraum von 1912 bis 1923 verfasst hat und die um die Widersprüche des Daseins kreisen – um Hass und Liebe, um Leben und Tod. Um das, was uns zum Menschen macht, uns aber auch Unmenschliches tun lässt.

In dunkelgrauen Bildern gibt Dubois dieser Widersprüchlichkeit ein Gesicht, das jedoch verschwommen bleibt. Und von einem dröhnenden, mechanischen Soundtrack begleitet wird, der die Handschrift von Komponist Francois Caffenne trägt, zwischendurch gibt aber auch Richard Wagners „Élégie WWV 93“ den Ton an und löst die brummenden Bässe ab. Auf der Bühne spielt sich Ekstatisches ab – aus den Körpern der Tänzer baut Dubois dunkelgraue Hügellandschaften, die Menschen ausspucken und verschlucken. Die in Nebelschwaden getunkte Szenerie hat archaische und albtraumhafte Züge, mit eindringlicher und kraftvoller Tanzsprache werden hier Geschichten erzählt, die sich mehr am Tod als am Leben zu orientieren scheinen. Ein Abend, der einem die Worte raubt. Ganz ohne Worte.