Justiz und Kriminalität

Getrübtes Gefühl von Sicherheit

Martin Kirchler (Stadtpolizei): "Innerhalb der rund 80 Personen umfassenden Nordafrikaner-Szene herrscht eine große Rivalität."
© Thomas Murauer

Experten sind sich einig: Innsbruck ist eine sichere Stadt. Die Präsenz von Drogendealern stört aber das Sicherheitsempfinden.

Von Denise Daum

Innsbruck –„Wie sicher ist Innsbruck?“ Diese Frage wollte der Verein Junge Stadt beantwortet wissen und lud Donnerstagabend Experten zur Podiumsdiskussion. Eine klare Antwort lieferte Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler: „Innsbruck ist sicher.“ So sei in Innsbruck bei den Einbrüchen ein steter Rückgang zu verzeichnen, im Gegenzug stieg die Aufklärungsquote der angezeigten Straftaten von 36 Prozent (Jahr 2004) auf 50 Prozent (2013). Kirchler räumte aber ein, dass die Anzahl der Körperverletzungen und vor allem der Drogendelikte eklatant angestiegen ist. Der Stadtpolizeikommandant weiß, wer den Suchtgifthandel in Innsbrucks Straßen dominiert: die so genannte Nordafrikaner-Szene. „Durch die massive öffentliche Präsenz dieser Gruppe ist das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung angeschlagen. Ich verstehe auch jeden, der sich unwohl fühlt, wenn er auf Mitglieder dieser Szene trifft“, erklärte Kirchler.

„Innerhalb der rund 80 Personen umfassenden Nordafrikaner-Szene herrscht eine große Rivalität, die mit harten Mitteln ausgetragen wird“, wie Kirchler sagte. Übergriffe auf Bürger verüben diese Personen hingegen eher selten, wenn, dann handle es sich um Diebstähle und Straßenraub mit mäßiger Gewalteinwirkung. Die Mitglieder der Nordafrikaner-Szene stammen meist aus den Slums und „kommen für eine bestimmte Zeit hierher, um Geld zu verdienen“, weiß Kirchler.

Die Polizei ändere immer wieder ihre Strategie, um gegen diese Gruppe anzukommen. „Wir verhaften pro Jahr 60 Personen aus dieser Szene. Aber es kommen andere nach. Die Gruppe wird jährlich ausgetauscht“, sagte Kirchler.

Strafrechtsprofessor Andreas Scheil hält Innsbruck für „ziemlich sicher“. Zur Eindämmung des Suchgifthandels schlägt er eine Legalisierung von Cannabis vor. „Das Geschäft ist für die Nordafrikaner-Szene ist nur deshalb so lukrativ, weil Hasch verboten ist“, sagt Scheil. Strafen raufzusetzen, sei keine Lösung, vielmehr brauche es eine „gescheite Sozialpolitik“.