Zwei Tirolerinnen verlängern die Fastenzeit
Kathrin Unterwurzacher und Bernadette Graf machten in der Vorbereitung auf die Judo-EM (Kämpfe am Freitag) Bänderverletzungen zu schaffen.
Von Benjamin Kiechl
Innsbruck –Auf den traditionellen Osterbraten mussten die Tiroler Judo-Athletinnen Bernadette Graf (21) und Kathrin Unterwurzacher (21) diesmal verzichten. Sogar die Schokoladehasen blieben unberührt, versicherte Naschkatze Graf. „Die Europameisterschaft hat Vorrang“, sagte Unterwurzacher mit einem verschmitzten Lächeln. Für das Saisonhighlight in Montpellier (FRA) wollen die beiden Medaillenhoffnungen im neunköpfigen österreichischen Nationalteam top vorbereitet sein, da muss freilich das Kampfgewicht passen.
Einen „Kaltstart“ muss Unterwurzacher (bis 63 kg) bei ihrem EM-Einsatz am Freitag hinlegen, denn an Trainingswettkämpfe war in den vergangenen zwei Wochen nicht zu denken: Wenige Tage nach ihrem sensationellen Grand-Prix-Sieg in Samsun (TUR) zog sich Unterwurzacher im Training einen Einriss des Syndesmoseband im rechten Sprunggelenk zu. „Das war für die EM-Vorbereitung natürlich nicht optimal“, seufzte die Innsbruckerin. „Aber ich werde auf die Zähne beißen!“
Trainer Martin Scherwitzl glaubt ihr die Kampfansage aufs Wort. „Kathrin ist durch ihren jüngsten Weltcup-Erfolg voll motiviert.“ Sie habe sich bei ihren Gegnerinnen Respekt erkämpft, in den vergangenen Monaten quasi „alle Top-Kämpferinnen der Weltrangliste geschlagen“. Eine Medaille sei trotz Fußverletzung realisierbar. Unterwurzacher, derzeit die Nummer sieben der Weltrangliste, will Nervenstärke beweisen und formuliert ihre Erwartungen pragmatisch: „Ich weiß, dass ich jede Gegnerin besiegen kann. Ich mache mir keinen Druck.“
Nervenflattern ist auch für Unterwurzachers Trainingspartnerin Bernadette Graf (bis 70 kg) ein Fremdwort. Dabei blickt Graf auf eine lange Durststrecke im Frühling zurück. Ein Einriss des inneren Seitenbandes im rechten Knie beeinträchtigte ihr Training. „Ich durfte für neun Wochen nicht auf die Matte“, erklärte sie rückblickend. Doch Graf packte ihr Kämpferherz aus, quälte sich stundenlang in der Kraftkammer. „Die Herausforderung ist, die Muskelmasse auch im Judo richtig einzusetzen“, erklärte sie. Bei ihren Gegnerinnen hat sie sich jedenfalls den Ruf als Kraftpaket erarbeitet. „Ihr einziges Manko ist die fehlende Wettkampfpraxis“, präzisierte Trainer Martin Scherwitzl. Nur einen Weltcup konnte die Tulferin im Frühling bestreiten. „Sie macht mental einen starken Eindruck. Aber ein Fehlschritt kann im Judo entscheidend sein, von ganz unten bis oben ist alles möglich“, erklärte Scherwitzl.
Graf versprüht Zuversicht, sie war bereits in der Vergangenheit bei Großereignissen für Überraschungen gut: Bei der EM 2013 in Budapest sicherte sie sich die Bronzemedaille. „Meine Verletzung ist verheilt, ich bin hungrig nach Erfolgen“, betonte sie. Und auch die Fastenzeit sei nach der EM in Frankreich endlich vorbei: „Dann hol’ ich mir eine Nutella-Crêpe!“
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