Präsidentschaftswahl in Ägypten: Nur zwei Kandidaten
Ex-Armeechef Al-Sisi und Linkspolitiker Sabbahi treten Ende Mai bei der Präsidentschaftswahl an. Andere Kandidaten hatten sich nicht gemeldet.
Kairo – Bei der Präsidentenwahl in Ägypten Ende Mai gibt es neben dem favorisierten Ex-Armeechef Abdel Fatah al-Sisi nur einen weiteren Kandidaten. Nach Angaben der Wahlleitung vom Sonntag hat sich bis zum Fristende neben Sisi nur der linksgerichtete Politiker Hamdeen Sabahi beworben.
Dieser saß zu Zeiten des früheren Langzeit-Präsidenten Hosni Mubarak im Parlament und trat bereits bei der Präsidentenwahl 2012 an, die Mohamed Mursi von der islamistischen Muslimbruderschaft gewann. Der Linkspolitiker Sabahi (Sabbahi) belegte bei dieser ersten freien Präsidentenwahl in Ägypten damals den dritten Platz.
Sabahi reichte Kandidatur am Samstag ein
Mursi wurde später nach Massenprotesten von der Armee unter Sisi (Sissi) abgesetzt, die Muslimbruderschaft verboten. Sabahi hatte den Sturz Mursis unterstützt. Er präsentiert sich nun als Mann der Revolution, die Anfang 2011 Mubarak zu Fall brachte.
Sisi hatte Ende März seine Kandidatur angekündigt. Der 59-Jährige hatte Mursi im Juli vorigen Jahres gestürzt. Beobachter gehen davon aus, dass Sisi die Wahl im bevölkerungsreichsten arabischen Land gewinnen dürfte. Sabahi, der seine Kandidatur erst am Samstag einreichte, hatte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters im März gesagt, er bezweifle, dass mit Sisi Demokratie in Ägypten einziehe.
Sisi als Favorit
Nach Angaben der Wahlleitung vom Sonntag reichte Sisi 188.930 Stimmen von Unterstützern ein, Sabahi 31.555. Erforderlich waren mindestens 25.000 Unterschriften. Die offizielle Kandidatenliste werde am 2. Mai veröffentlicht, erklärte die Wahlkommission.
Viele Ägypter trauen Sisi am ehesten zu, das politische Chaos nach dem Sturz Mubaraks 2011 zu beenden. Auch die Wirtschaft hofft nach den Wirren der vergangenen Jahre auf neue Impulse und ausländische Investitionen. Eine offizielle Präsidentschaft Sisi, der bereits seit dem Sturz Mursis das Heft fest in der Hand hält, würde aber auch eine Rückkehr in alten Zeiten bedeuten, in der das Militär starken Einfluss hatte. Als wichtiger Test für ihn galt ein Referendum über die überarbeitete Verfassung im Jänner.
Wahl am 26. und 27. Mai
Nach dem Sturz Mursis war dessen Muslimbruderschaft zur terroristischen Vereinigung erklärt worden. Die neue Staatsführung macht sie für Angriffe auf Sicherheitskräfte verantwortlich, bei denen Hunderte Soldaten und Polizisten, aber auch Hunderte Anhänger der Bruderschaft starben. Tausende wurden verhaftet, fast die gesamte Führung sitzt im Gefängnis. Hunderte Muslimbrüder wurden zum Tode verurteilt. Seit dem Sturz Mursis wurden bei Demonstrationen seiner Anhänger mehr als 1.400 Menschen getötet, rund 15.000 Islamisten wurden festgenommen. Für die Anhänger Mursis ist Sisi daher eine Hassfigur. Sie werfen ihm einen Militärputsch vor.
Bis zum Ende der Meldefrist am Sonntag hätten sich keine weiteren Kandidaten registriert, sagte ein Vertreter der Wahlkommission, Abdel al-Aziz Zalman, bei einer Pressekonferenz in Kairo. „Zwei Kandidaten haben sich angemeldet“, sagte er. Die Wahl findet am 26. und 27. Mai statt, der Wahlkampf soll am 3. Mai offiziell beginnen. (APA/AFP/Reuters)
Kommentare