Entgeltliche Einschaltung

Täglich Turnen? Weit gefehlt!

Sportlich aktive Kinder lernen besser, belegen Studien. Von der viel zitierten „täglichen Turnstunde“ auf dem Stundenplan sind die meisten Schüler aber weiter entfernt denn je.

  • Artikel
  • Diskussion
Symbolfoto
© ThinkStock/Joseph Ruscigno

Von Elke Ruß

Entgeltliche Einschaltung

Innsbruck – Bereits im April 2013 übergab die Österreichische Bundes-Sportorganisation 150.844 Unterschriften für die „Tägliche Turnstunde“. Im Juli erklärte Bundeskanzler Werner Faymann beim Wandern im Schneeberggebiet, die tägliche Turnstunde an den Pflichtschulen solle im Herbst 2014 Realität werden. In Sicht ist sie trotzdem nicht.

Zuletzt ging es höchstens bergab: Als Bildungsministerin Elisabeth Gehrer 2003 zwei Wochenstunden strich, stellte sie den Schulen zwar frei, wo sie einsparen. Ganz oft traf es aber die Sportstunden, weil das am leichtesten ging, bestätigt Wolfgang Oebelsberger von der „Schulaufsicht Sport“ im Tiroler Landesschulrat.

Zumindest bewegungstechnisch war auch der Umstieg von der Haupt- auf die Neue Mittelschule (NMS) kein Aufstieg: Die Stundentafel der Hauptschulen sieht noch eine Summe von 13 Wochenstunden Sport in den vier Jahren vor (und ließe sogar 18 zu). Das Minimum im Rahmen der Schulautonomie sind zwölf Wochenstunden. Als Norm für die NMS gibt das Ministerium zwar auch 13 Turnstunden vor – die sind aber auf zehn kürzbar.

Noch zäher ist die Lage in den Volksschulen: Auf der Normstundentafel stehen drei Turnstunden in der ersten und zweiten Klasse und je zwei in der dritten und vierten Klasse, macht zehn. Die Schule darf auf zwölf Stunden aufstocken, aber umgekehrt auf acht heruntergehen – ergibt dann zweimal Turnen pro Woche.

Der Lehrplan der AHS-Unterstufe wünscht immerhin 14 Wochenstunden Sport (kürzbar auf 13). In der gesamten Oberstufe sind es aber gerade noch neun Einheiten. Von Handelsakademie und HTL verlangt die Norm bloß noch acht Wochenstunden Sport in fünf Jahren – von denen zwei streichbar sind.

Dabei täuscht die Papierform noch: Teils werden Stunden ja geblockt, damit eine Klasse z. B. Schwimmen gehen kann – oft schlucken die Wegzeiten die halbe Einheit.

Das, obwohl Studien (etwa der Uni Köln) belegen, dass sportlich aktive Kinder besser lernen. Das zeigte erst vor wenigen Jahren auch ein Projekt an der HS Absam zur Lesekompetenz: Eine Sportklasse, die ein tägliches „Life Kinetik Training“ mit Bällen absolviert hatte, schlug beim Lesen sogar eine Vergleichsklasse mit spezieller Leseförderung. Der heuer pensionierte Direktor Hans Köhle nennt den Un­ter­schied „signifikant. Mehr Sport und die Schulung der koordinativen Fähigkeiten tragen wesentlich zu kognitiven Leistungssteigerungen bei!“ Kurz: Wer einen Ball fangen kann, der kann auch dem Zeilensprung besser folgen.

Auf die Forderung nach der täglichen Turnstunde reagierte das Ministerium mit einer Arbeitsgruppe, der Oebelsberger angehört. Sie fand zehn Punkte zur „Steigerung des Bewegungsanteiles“ in den Schulen. Umgesetzt sei aber kein Punkt, bedauert er. So scheitern etwa vorgesehene Kooperationen von Schulen mit Sportvereinen oft daran, dass die Vereine primär Talente suchen, nicht aber Klassen betreuen wollen.

Zumindest das vor einigen Jahren in Volksschulen gestartete Projekt „Bewegte Pause“ ist ein Renner, freut er sich: Vom Unterricht werden je fünf Minuten zugunsten einer halbstündigen, frei gestaltbaren Bewegungspause abgezwackt. „Von knapp 400 Tiroler Volksschulen nehmen schon mehr als 100 teil.“


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung