„Hypezig“, das bessere Berlin?
Ist Leipzig interessanter als Berlin? Drei Studenten sind der Frage aus wissenschaftlicher Sicht auf den Grund gegangen.
Leipzig –Leipzig eilt mittlerweile ein guter Ruf voraus: Die Stadt sei schön, die Mieten günstig, die Partys angesagt. Doch ist das alles? Diese Frage haben sich die drei Studenten Carolyn Wißing, Christina Schmitt und Wolfgang Amann gestellt. Um sie zu beantworten, starteten die Neu-Leipziger ein wissenschafts-journalistisches Projekt. Sie stellen nüchtern fest: „Leipzig ist mehr als illegale Partys und schöne Altbauviertel. Leipzig ist auch, wenn Wohnraum luxussaniert wird und die Bewohner ausziehen müssen.“ Auf ihrer Internetplattform einundleipzig.de wollen sie die Sachsen-Metropole und ihre Bewohner vorstellen, das Thema diskutieren und mit Zahlen die gefühlte Entwicklung belegen. Kurz gesagt geht es darum, ob Leipzig wirklich „Hypezig“, gar das bessere Berlin ist.
Zahlreiche Medien haben das in den vergangenen Monaten behauptet und so einen Hype befeuert. Die drei Studenten kannten vor ihrem Umzug nach Leipzig nur den guten Ruf. Ein Ruf, der auch negative Folgen haben kann. Zum Beispiel für Steffen Balmer. Der 50-Jährige wohnt in Leipzig-Schleußig. Der Stadtteil entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu den gefragtesten Wohnlagen. Investoren legen ihr Geld gern in Immobilien des Quartiers an.
„Das ehemalige Fabrikgebäude, in dem ich wohne, soll modernisiert werden“, erzählt Balmer. Er müsse wie 15 Mitbewohner seine Bleibe räumen – für moderne Lofts. Die Kündigungen liegen auf dem Tisch. Dabei waren es Leute wie Balmer, die mitgeholfen haben, aus der Stadt das zu machen, was sie jetzt ist.
Der Programmierer organisiert seit Jahren ein Straßenfest, das das Wohngebiet attraktiver werden ließ. „Mittlerweile müssen wir uns unser Eigenverschulden eingestehen“, räumt er ein. Engagierte und Künstler hätten sich bereits vor zehn Jahren daran setzen müssen, jene Freiräume, die sie erschlossen haben, auch für sich zu sichern. „Wir hätten etwa Genossenschaften gründen sollen, um selbst zu investieren“, sagt Balmer.
Die Plattform ist online. Entstehen sollen Porträts wie von Balmer, dazu eine journalistische Aufarbeitung von Daten, wie Mietpreisen. Geplant ist eine Karte, in der jeder seine Miethöhe eintragen kann. „So soll ein Mietspiegel entstehen, der die Wirklichkeit abbildet“, sagt Schmitt. Doch ist Leipzig nun das bessere Berlin? „Ein Ergebnis haben wir noch nicht“, sagen die Studenten. Sie stünden noch am Anfang. Es bleibt spannend. (dpa)