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Uruguay und der lange Schatten des „Maracanazo“

Am 12. Juni startet in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Bis dahin präsentiert TT.com täglich einen WM-Teilnehmer. Heute im Porträt: Uruguay.

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Montevideo - Für Uruguays Fußball-Nationalmannschaft bedeutet die Endrunde in Brasilien ein Rendezvous mit dem wohl ruhmreichsten Kapitel der eigenen Vergangenheit. Am Zuckerhut holte die „Celeste“ 1950 ihren zweiten und bisher letzten WM-Titel - und das auch noch mit einem legendären 2:1 im Entscheidungsspiel vor geschätzten 200.000 Zuschauern in Rio de Janeiro gegen den damaligen und nunmehrigen Gastgeber.

Heldenepos hemmte spätere Generationen

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Die Partie ging als „Maracanazo“ in die Geschichte ein und hinterließ ihre Spuren bis in die Gegenwart. Während in Brasilien das Trauma noch immer tief sitzt, wurde in Uruguay ein Heldenepos geschrieben - allerdings mit negativen Auswirkungen, wie Teamchef Oscar Tabarez betonte. „Dadurch bekamen unsere nachfolgenden Generationen die unterschwellige Botschaft, dass Uruguays Champions nur jene der Vergangenheit sind“, sagte der 67-Jährige.

Außerdem bereitet dem Nationaltrainer der Gedanke Kopfschmerzen, dass heimische Fans und Medien schon vor Turnierbeginn ein neuerliches Husarenstück wie 1950 verlangen könnten. „Je weniger übers ‚Maracanazo‘ gesprochen wird, desto besser“, erklärte Tabarez.

Der seit 2006 amtierende Coach redet lieber über die Zukunft, und die sieht bei der WM Duelle mit Italien, England und Costa Rica vor. „Das ist eine Todesgruppe, und wir sind keine Supermacht“, lautet die Einschätzung von Tabarez. Der „Maestro“ hebt im Vorfeld der Endrunde in Brasilien regelmäßig die Außenseiterrolle seiner Mannschaft hervor - so wie er es schon vor der WM 2010 tat, ehe der regierende Copa-America-Champion bis ins Semifinale vordrang.

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Abwehrstärke und Traumsturm als Trümpfe

Am Stamm hat sich im Vergleich zum Turnier vor vier Jahren nicht allzu viel verändert. Der in Südafrika zum besten Spieler gewählte Diego Forlan (35) ist zwar in die Jahre gekommen und im Nationalteam nur noch Reservist, dafür kann Tabarez aber mit Luis Suarez und Edinson Cavani auf ein Weltklasse-Sturmduo zurückgreifen. Auch wenn die Teilnahme von Ersterem nach einer Knie-OP noch nicht sicher ist.

Dazu kommt die traditionelle Stärke Uruguays im Abwehrverhalten. Die Südamerikaner pflegen seit Jahrzehnten einen eher defensiv ausgerichteten Spielstil, was immer wieder für Kritik sorgt - zum Unverständnis von Tabarez. „Wir arbeiten gut in der Defensive, und darauf bin ich stolz und schäme mich nicht. Es ist keine Schande, defensiv zu spielen“, meinte der längstdienende Nationaltrainer eines aktuellen WM-Starters. (APA)


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