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„Besiegt Modi, rettet Indien“ - Muslime wählen gegen den Favoriten

Neu-Delhi (APA/dpa) - Alle Augen sind auf Varanasi gerichtet. Die uralte Tempelstadt am Ganges stimmt am Montag über ihren Vertreter im näch...

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Neu-Delhi (APA/dpa) - Alle Augen sind auf Varanasi gerichtet. Die uralte Tempelstadt am Ganges stimmt am Montag über ihren Vertreter im nächsten indischen Parlament ab. Der aussichtsreichste Kandidat in Varanasi ist Narendra Modi, der auch als Premierministerkandidat für die favorisierte, rechtsgerichtete Bharatiya Janata Party (BJP) ins Rennen geht.

Der Hindu-Nationalist Modi will die heiligste Stadt der Hindus - in der jeder Gläubige gerne einmal sterben und verbrannt werden will - in einer symbolisch aufgeladenen Abstimmung erobern. „Mutter Ganges hat mich nach Varanasi gerufen“, sagte Modi, als er seine Kandidatur einreichte. Doch könnten ihm ausgerechnet die Muslime in der Hindu-Stadt einen Strich durch die Rechnung machen.

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Früh am Morgen, in Varanasis muslimischem Viertel Lallapura: Das geschäftige Treiben in den engen Gassen wird plötzlich unterbrochen, als an einem Teestand ein Mann aus einer Zeitung vorliest. Er zitiert die jüngsten Umfragen, die Modis Partei klar vorne sehen. Sofort entbrennt eine hitzige Debatte, die das Klappern der Nähmaschinen aus den Häusern und das Bollywood-Lied aus dem Radio übertönt.

„In unseren Herzen gibt es keinen Platz für ihn“, sagt etwa Faizi Hasan, ein 28 Jahre alter Sari-Weber. Er gehört zu den etwa 180 Millionen Muslimen unter Indiens 1,2 Milliarden Einwohnern. „Modi kämpft erbittert darum, Premierminister zu werden, aber er weiß, dass die Muslime die größte Hürde für seine Ambitionen sind“, sagt er.

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Modi hat, vorsichtig ausgedrückt, eine schwieriges Verhältnis zu Muslimen. Der 63-Jährige war Regierungschef im Bundesstaat Gujarat, als dort Hindu-Mobs Anfang 2002 muslimische Viertel angriffen. Sie schlitzten schwangeren Frauen die Bäuche auf, raubten, mordeten, zerstückelten und verbrannten. Menschenrechtsgruppen und ausländische Diplomaten kamen zu dem Schluss: Die Unruhen waren keine spontanen Akte, sondern ein organisierter Feldzug gegen die religiöse Minderheit.

Nun würden die Muslime alles versuchen, um eine Machtergreifung des Hindu-Hardliners zu verhindern, sagt der politische Aktivist Ali Qayoom in Varanasi. Die Wahl, die nun zu Ende geht, dauerte fünf Wochen. Und stets hätten die muslimischen Gemeinschaften vor der Abstimmung in ihrem Ort gemeinsam eine Entscheidung gefällt, welchem aussichtsreichsten Gegenkandidaten sie ihre Stimme geben. In 110 der 543 Wahlkreise könnte ihr Votum entscheidend sein. Auch in Varanasi, wo sie 20 Prozent der Bevölkerung stellen.

Modi vermied es denn auch, während des Wahlkampfes Muslime direkt anzugreifen. Vielmehr betonte er, dass alle Teile der Bevölkerung von seiner wirtschaftlichen Entwicklung und Armutsbekämpfung profitieren würden. „Wir glauben, dass alle zu uns gehören, alle, die hier geboren und aufgewachsen sind“, betonte Modi in einem Interview des Senders Times Now. Hinduismus sei eigentlich keine Religion, sondern eine Lebensweise. Deswegen gehörten auch alle angepassten Christen, Buddhisten und Sikhs dazu. Muslime erwähnte er nicht.

In Indien sind Muslime eine der am schlechtesten ausgebildeten und bezahlten Gruppen - und das werde unter Modi sicherlich nicht besser, meint Sozialaktivist Anwaar Ahmed in Varanasi. Auch fürchtet er bei einer Wahl des Spalters neue Unruhen zwischen den Religionen. Das sehen auch die Männer am Teestand in der Gasse von Lallapura so. „Modi Harao, Desh Bachao“ (Besiegt Modi, rettet das Land), ruft ein Mann namens Nizamuddin, ehe die Männer die spontane Versammlung auflösen und wieder ihren alltäglichen Geschäften nachgehen.


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