Mammografie-Programm: Jetzt Diskussionen zur Befundübermittlung 1

Wien (APA) - Mit 1. Juli soll das bisher an mangelnder Beteiligung der eingeladenen Frauen leidende österreichische Mammografie-Früherkennun...

Wien (APA) - Mit 1. Juli soll das bisher an mangelnder Beteiligung der eingeladenen Frauen leidende österreichische Mammografie-Früherkennungsprogramm deutlich geändert werden. Freier Zugang via E-Card für die entsprechenden Altersgruppen soll die Frequenzen der Untersuchungen erhöhen. Doch jetzt gibt es eine Diskussion über den Zugang der Vertrauensärzte zu den Befunden der Patientinnen.

„Sehr geehrte Kollegin, Sehr geehrter Kollege, wir dürfen Sie darüber informieren, dass Frau X. (Soz.Vers.Nr. X) eine Untersuchung im Rahmen des Österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms in Anspruch genommen hat. Sie erhalten diese Mitteilung mit Zustimmung Ihrer Patientin, die Sie uns als Ihre Vertrauensärztin bzw. Ihren Vertrauensarzt bekannt gegeben hat.“ - Dieses Schreiben erhielt vor einigen Tagen Peter Husslein, Vorstand der Universitäts-Frauenklinik der MedUni Wien im AKH von einem bekannten Wiener Radiologiezentrum.

Ähnlich ergeht es offenbar derzeit vielen Vertrauensärzten von Frauen, welche das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm bei den Radiologen bereits in Anspruch nehmen. Eine Wiener Allgemeinmedizinerin: „Ich habe auch so einen Brief erhalten. Nur, ob eine Patientin von mir zu der Vorsorgemammografie gegangen ist, ist für mich nicht relevant. Aber den Befund müsste ich haben, um ihn in meine Patientenakte gleich direkt und elektronisch aufnehmen zu können. Denn das ist medizinisch entscheidend.“

Husslein jedenfalls schrieb an das ihn adressierende Radiologiezentrum in Wien unter anderem, er mache keinen Hehl daraus, dass er „die Organisation des Brustkrebsprogrammes für völlig verfehlt erachte“, welche einen Keil zwischen Patientinnen und Vertrauensärzten treibe. Dann erklärte der Gynäkologe: „Ich habe wenig Erfahrung mit dem System und habe daher folgende Frage: ‚Sie haben mir beiliegendes Infoschreiben geschickt, dass eine Patientin von mir im Rahmen dieses Programms zu Ihnen kommt, ohne mir den Befund zu übermitteln. Was ist jetzt der vorgesehene Vorgang? Muss ich Ihnen schreiben, damit ich den Befund bekomme?“ Husslein erhielt schließlich den Befund.

Franz Frühwald, Bundesfachgruppenobmann der österreichischen Radiologen in der Ärztekammer, führte gegenüber der APA juristisch durchaus einsichtige Argumente für die derzeitige Situation an: „Der erste Arzt, der die Patientin im Rahmen des Früherkennungs-Mammografieprogramms betreut ist der Radiologe. Ihn trifft die volle Verantwortung - auch jene bezüglich der Informations- und Aufklärungspflicht bezüglich des Befundes etc..“

Die Rechtslage hat aber laut dem Radiologen-Vertreter auch noch andere Konsequenzen: „Datenschutzrechtlich kann ein (Mammografie-)Befund an andere Ärzte nur mit Zustimmung der Frau übermittelt werden. Haftungsrechtlich darf das nur dann erfolgen, wenn auch der betroffene Arzt dem zustimmt. Daher erfolgt die Vorab-Information, dass es einen Mammografie-Befund gibt. Wenn der Arzt will, kann er dann den Befund abrufen“

Ursprünglich vorgesehen gewesen sei, dass der von der Patientin angegebene Vertrauensarzt den Mammografiebefund erhalte. Doch dagegen hätten sich rechtskundig gemachte Gynäkologen gewehrt. Frühwald sagte zu den Argumenten. „Die Gynäkologen haben erklärt, wenn eine Patientin einen von ihnen als Vertrauensarzt angebe, treffe ihn dann die Verantwortung, auch wenn er dies gar nicht sei oder die Frau nie wieder zu ihm zurückkehre.“

Der Bundesfachgruppenobmann betonte allerdings, dass bereits berufsintern an einer Lösung des Problems gearbeitet werde: „Das sieht natürlich nicht gut aus. Aber rechtlich ist das offenbar nicht anders möglich. Die niedergelassenen Ärzte wollen selbstverständlich, dass sie die Befunde erhalten. Wir arbeiten jetzt in der Ärztekammer an einer Clearingstelle, welche den Datenaustausch zwischen uns Radiologen und den Mammografieprogramm-Teilnehmerinnen schnell und leicht handhabbar machen soll.