Landespolitik

Gemeinderäte machen dem Kollegen nicht die Mauer

Der beschlossene Bebauungsplan für die Metzgerei eines Mayrhofner Gemeinderates wurde beeinsprucht. Die Mandatare zögern nun auch.

Von Angela Dähling

Mayrhofen –Das Bauvorhaben des Mayrhofner Gemeinderates und Bauausschuss­obmanns Hans Gasser warf in der jüngsten Gemeinderatssitzung einige Fragen auf. Der Metzgermeister will seinen Schlachtbetrieb aus dem Ortszentrum aussiedeln und hat an der Zillertalstraße in der im Süden gelegenen Gewerbezone von Mayrhofen einen Grund erworben. Das Problem: Das Grundstück ist nach hinten hin stark abschüssig.

Gasser hatte daher ein Projekt eingereicht, das u. a. eine Niveauregulierung durch eine 5,5 Meter hohe Mauer vorsieht. Dafür brauche es einen Bebauungsplan, hatte es daraufhin im Gemeindeamt geheißen, worauf der örtliche Raumplaner einen solchen erstellt hatte.

Die Mandatare hatten danach dem Bebauungsplan geschlossen zugestimmt, da auch die Nachbarn laut Bauwerber mit dem Projekt einverstanden seien. Doch dann hat ein Anrainer den privatrechtlichen Vertrag mit Gasser doch nicht unterzeichnet und durch seinen Rechtsanwalt Einspruch erhoben. Ein Bebauungsplan für ein Grundstück erscheine unzulässig, heißt es unter anderem darin. Raumplaner Erich Ortner sieht das anders, ein Bebauungsplan sei bei diesem Grundstück zwingend notwendig, erläuterte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Gemeinderäten. „Rechtsanwälte können alles behaupten“, meinte er, räumte aber ein, der Bauherr werde begünstigt bei der geplanten Bebauung zum Nachteil der benachbarten Landwirtschaftsfläche. Ortner: „Meiner Meinung nach wäre das aber vertretbar.“

Die Unterstützung seitens der Gemeinderäte hielt sich in Grenzen – sie machten Gasser nicht die Mauer: „Nach der Tiroler Bauordnung ist das so nicht baubar. Ich will mir nicht nachsagen lassen, dass wir Gemeinderäte es uns richten wie wir’s brauchen“, meinte Franz Eberharter. „Der Bebauungsplan wurde auf das Projekt abgestimmt“, gab auch Hans Jörg Moigg zu bedenken. „Daran ist raumordnerisch nichts falsch“, informierte Ortner.

Beschlossen wurde letztlich nichts. „Dass wir was beschließen sollen, steht nicht auf der Tagesordnung“, begründete Franz Eberharter.

Bauwerber GR Hans Gasser hatte während der Beratung den Sitzungssaal verlassen und auf eine Abstimmung gehofft. Er versuche seit vier Jahren, den Schlachtbetrieb aus dem Ortszentrum auszusiedeln, um ihn langfristig zu sichern, erklärte Gasser hörbar frustriert auf Anfrage der TT. Mehr wolle er derzeit zu dem Thema nicht sagen.

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