Bühne

Hinter schmucken Fassaden

Johannes Gabl inszeniert Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ im Theater praesent.

Von Joachim Leitner

Innsbruck –Den Nachnamen Gabler führt Hedda eigentlich nicht mehr. Seit ihrer Hochzeit mit dem angehenden Kulturwissenschafter Jørgen heißt das ehemalige Fräulein Gabler Frau Tesman. Und da das Ehepaar Tesman gerade von der Hochzeitsreise zurückgekehrt ist, wartet die Verwandtschaft auf eine hoffentlich bald anstehende Niederkunft. Jørgen soll zudem schnellstmöglich Professor werden. Alles andere würde fraglos zu Gerede führen, zu Skandal und gesellschaftlicher Ächtung.

So war das wohl im Jahr 1890, als Henrik Ibsen seinen Vierakter „Hedda Gabler“ zu Papier brachte. Die Dramen spielten sich hinter schmucken Fassaden ab, davor galt es, noch dem schlimmsten Spiel mit guter Miene zu folgen.

Und auch wenn sich die Auslöser für gerümpfte Nasen, mahnende Worte und offene Verachtung seither geändert haben, der fatale Kern des Stückes ist nach wie vor aktuell: Eine Frau verzweifelt an den Verhältnissen, in die sie hineingeworfen wurde.

Für seine Inszenierung des auch an großen Häusern ungebrochen populären Klassikers im Innsbrucker Theater praesent hat Johannes Gabl „Hedda Gabler“ behutsam aktualisiert. Ein kulturhistorisches Manuskript, das für den Fortgang der Handlung von gewisser Bedeutung ist, wurde zum USB-Stick und der schleimige Jurist Brack, die Personifikation bürgerlicher Doppelgesichtigkeit, hochangesehen und durchtrieben zugleich, schaltet sich via Skype ins Geschehen ein. Als körperlose Bedrohung füttert Brack das schlechte Gewissen der Protagonistin, vor allem aber sorgt er für jene schwer fassbare Die-Ruhe-vor-dem-Sturm-Beklemmung, die Ibsens Konversationsdrama ausmacht. Denn alles, was in „Hedda Gabler“ passiert – und es passiert einiges –, wird nicht gezeigt, sondern erzählt. Man erfährt es aus zweiter Hand, als mehr oder weniger glaubwürdige Nacherzählung.

Den Schauspielern verlangt das einiges ab: Sie müssen gewissermaßen mit angezogener Handbremse spielen und ihre Figuren trotzdem mit Leben füllen. Caroline Mercedes Hochfelner balanciert in der Titelrolle auf hohen Absätzen zwischen Depression und Destruktion. Max Pfnür legt seinen Tesman als gutgläubigen Streber an, der sich ruhig mehr abgründige Ausfälle erlauben hätte können. Benjamin Lang überzeugt sowohl als aalglatter Brack als auch in der Rolle des genialistisch absturzgefährdeten Ejlert Løvborg, und Daniela Bjelobradic ist als naive Thea Elvsted, die mal aus Freude, dann aus Verzweiflung mit den Worten ringt, schlicht und ergreifend bezaubernd.

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