Österreichs Klinische Forschung von Rückfall bedroht 1

Wien (APA) - Ein Drittel des Forschungs-Outputs Österreichs stammt aus der klinischen Forschung an Patienten an Universitätskliniken und Kra...

Wien (APA) - Ein Drittel des Forschungs-Outputs Österreichs stammt aus der klinischen Forschung an Patienten an Universitätskliniken und Krankenhäusern. Doch mit dem Stagnieren der Wissenschaftsinvestitionen insgesamt wird dieser bisher von der Wissenschaftspolitik stiefmütterlich behandelte Bereich noch einmal geschädigt werden, warnten am Montag österreichische Experten bei einer Pressekonferenz in Wien.

„Auf der einen Seite ist es in Österreich das Ziel, die Forschungsquote (Anteil am BIP; Anm.) bis 2020 auf 3,76 Prozent zu erhöhen. Jetzt sagt die Statistik Austria vorher, dass der Anteil im kommenden Jahr von 2,9 auf 2,88 Prozent leicht sinken wird. Das ist keine gute Ausgangslage. Es geht nicht um das Erhalten, sondern um den Ausbau. Das erreicht man nicht mit Stagnation“, sagte Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Verbandes der österreichischen Pharmaindustrie (Pharmig).

In die klinische Forschung - vor allem in internationale Studien der Phase III (Wirksamkeit, Sicherheit) - steckt die zum größten Teil internationale Pharmaindustrie in Österreich pro Jahr rund 150 bis 200 Millionen Euro. Das bringt Know-How und den beteiligten Patienten, derzeit sind es fast 7.000, die potenziellen Therapien der Zukunft und eine optimale Versorgung. Die Spitalserhalter profitieren von der kostenlosen Bereitstellung der Therapeutika, was die Bundesländer als hauptsächliche Kostenträger des Krankenhaussektors eigentlich begrüßen müssten.

Doch gerade hier droht Gefahr. Wolfgang Bonitz, Leiter des Arbeitskreises für klinische Forschung in der Pharmig: „Durch die Harmonisierung der klinischen Forschung auf EU-Ebene wird ab 2016/2017 der österreichische Vorteil schneller Entscheidungen wegfallen.“ Österreich hatte bisher nämlich bei einem Antrag auf die Durchführung einer klinischen Studie nur eine Frist von 35 Tagen statt in vielen anderen EU-Ländern eine von 60 Tagen. Die Forschung der Pharmaindustrie geht aber dorthin, wo die Untersuchungen qualitativ hochwertig und möglichst reibungslos durchgeführt werden können.

Nur durch einen schnellen Ausbau der organisatorischen und fachlichen Kapazitäten an den Universitätskliniken und an den österreichischen Krankenhäusern für solche Projekte könnte er zu erwartende Nachteil ausgeglichen werden, betonte Bonitz. So sollten nicht nur die MedUnis Koordinierungsstellen für klinische Studien einrichten, sondern beispielsweise auch die Krankenanstaltenträger. An den einzelnen Krankenhäusern mit Studienzentren müssten eigene Studienkoordinatoren (Study Nurses) installiert werden, welche die notwendige organisatorische Unterstützung für solche Studien bieten.

Gerade die MedUnis und die Krankenhausträger müssten aber auch noch die Bürokratie vereinfachen. „Die Vertragsgestaltung für solche Projekte ist außerordentlich komplex und langwierig“, meinte Bonitz. Wer hier möglichst einfache Abläufe installiert, könnte auch in Zukunft die Nase vorn haben, weil gerade in der klinischen Forschung die Schnelligkeit der Abwicklung überragende Bedeutung besitzt