Wiener Philharmoniker 2014/15: Zeitgenössisches und alte Bekannte

Wien (APA) - Mit dem Sommernachtskonzert am 29. Mai nähert sich die Saison der Wiener Philharmoniker langsam ihrem Ende. Aber da nach der Sa...

Wien (APA) - Mit dem Sommernachtskonzert am 29. Mai nähert sich die Saison der Wiener Philharmoniker langsam ihrem Ende. Aber da nach der Saison vor der Saison ist, lohnt der Blick auf die künftigen Vorhaben, darunter die zehn Abonnementkonzerte, für die kein Philharmoniker-Debütant am Pult stehen wird, sondern Künstler, die bereits mit drei bis vier Generationen von Orchestermitgliedern musiziert haben.

„Es geht uns um eine entsprechende Breite“, umreißt Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg im APA-Gespräch das Programm. Bestritten werden die Abokonzerte deshalb von so unterschiedlichen Größen wie Ingo Metzmacher (25./26.10.), Daniel Barenboim (1./2.11.), dem 86-jährigen Herbert Blomstedt, der erst vor vier Jahren sein Philharmoniker-Debüt feierte (15./16.11.), Semyon Bychkov (22./23.11.), dem erst 35-jährigen Andris Nelsons (13./14.12.), Stammgast Lorin Maazel (17./18.1.2015), Zubin Mehta (14./15.3.), Riccardo Muti (25./26.4.), Franz Welser-Möst (6./7.6.) und Mariss Jansons (20./21.6.).

Programmatisch setzt man dabei auch auf Zeitgenössisches, wenn die Saison etwa mit Werken von Olivier Messiaen eröffnet wird. „Und natürlich sind wir neugierig auf das neue Werk von Olga Neuwirth, das fertig ist“, unterstreicht Philharmoniker-Geschäftsführer Dieter Flury. Das Uraufführungswerk „Masaot / Clocks without Hands“ wird vom Orchester nach Köln und Luxemburg am 9. Mai 2015 unter Daniel Harding zum Eröffnungskonzert der Wiener Festwochen gespielt.

„Das Verhältnis zwischen Zeitgenossen und Verblichenen war früher ein anderes. Heute spielen wir aus einem Repertoirebereich, der 300 Jahre umfasst“, so Hellsberg. Sein Gewissen, was zeitgenössische Musik angeht, sei entsprechend „sehr gut“: „Wir sind das einzige Orchester, wo wirklich die Musiker Kompositionsaufträge vergeben.“ Seit Gründung habe man so immerhin zumindest 273 nachgewiesene Uraufführungen gespielt, 56 davon nach 1945.

„Das Schubladendenken finde ich verheerend. Wir haben den Anspruch, möglichst die ganze Breite zu spielen“, verteidigt auch Flury das Engagement für heutige Musik - ungeachtet mancher Ressentiments aufseiten des Publikums. So seien etwa für das Abokonzert mit Kompositionen aus den eigenen Reihen (Renee Staar und Franz Schmidt), das heute, Montagabend, das letzte Mal gespielt wird, ungewöhnlich viele Karten zurückgegeben worden. „Das tut ein bisschen weh“, gibt Hellsberg zu.

Nachwuchssorgen bei den Abonnenten hat man dennoch nicht, beträgt die Wartefrist doch immer noch zehn Jahre. „Ich kann mich gut erinnern, als vor 40 Jahren ältere Kollegen gesagt haben: In 30 Jahren haben wir kein Publikum mehr. Mittlerweile ist das Publikum erstaunlicherweise nicht älter geworden, eher jünger“, freut sich Hellsberg.

Aber auch abseits des Abonnements gibt es in der kommenden Saison viele Chancen, das Wiener Spitzenorchester live zu erleben. Im September führt eine Tournee unter Gustavo Dudamel zu Stationen wie Grafenegg, dem Luzern-Festival und nach Köln, aber auch in den Fernen Osten wie nach Schanghai, Osaka oder Fukuoka. Für die traditionelle New-York-Woche des Orchesters im Februar ist Daniele Gatti mit einem Programm aus Brahms-Symphonien verpflichtet, das zuvor auch in Deutschland und Baku gegeben wird. Und auch in der römischen Papstbasilika St. Paul vor den Mauern gastiert man am 23. Oktober wieder - mit Franz Schuberts selten gespieltem „Lazarus“ im Gepäck.