Fußball-WM: Porträt Zico - Der „weiße Pele“ und eine offene Wunde

Wien (APA/dpa) - Bei seinem Heimatclub CR Flamengo gilt er als das „Idol aller Zeiten“. An der Copacabana nennen sie ihn ehrfurchtsvoll den ...

Wien (APA/dpa) - Bei seinem Heimatclub CR Flamengo gilt er als das „Idol aller Zeiten“. An der Copacabana nennen sie ihn ehrfurchtsvoll den „weißen Pele“. Arthur Antunes Coimbra - kurz Zico - prägte das „jogo bonito“ (schöne Spiel) der Selecao und war einer der besten Fußballer, den Brasilien je hervorgebracht hat.

Für die Selecao hat der Spielmacher in 72 Partien 52 Treffer erzielt, nur ein WM-Titel war ihm nicht vergönnt. „Das ist eine offene Wunde, das tut bis heute weh“, sagt er im Rückblick auf sein letztes WM-Spiel. 1986 in Mexiko verschoss er beim Aus der Brasilianer gegen Frankreich einen Elfmeter. Bei seinem letzten großen Turnier war er angeschlagen und meilenweit von seiner Bestform entfernt.

In den Jahren zuvor hatte Zico als Teil der „Fantastischen Vier“ gemeinsam mit Socrates, Falcao und Cerezo das weltberühmte „jogo bonito“ der Samba-Kicker geprägt. Mit Diego Armando Maradona und Michel Platini konkurrierte er in den 1980er-Jahren um die Auszeichnung zum großartigsten Kicker dieser Zeit. Gefürchtet waren seine Dribblings und seine tödlichen Pässe, vor allem aber seine gezirkelten Freistöße. „Ein schöner Freistoß ist wie ein schönes Bild von einem großartigen Maler“, hat Zico einmal gesagt.

Zico wurde am 3. März 1953 in Rio de Janeiro geboren und wuchs im Norden der Metropole mit sechs Geschwistern auf. Obwohl sein Vater nicht wollte, dass auch der jüngste Spross eine Fußballlerlaufbahn einschlägt, landete er bald bei Flamengo. Dort feierte er seine größten Erfolge.

In 732 Partien erzielte er 509 Tore. Mit ihm wurde der Club 1980, 1982 und 1983 Meister und gewann 1981 die Copa Libertadores und den Weltpokal. Es war die erfolgreichste Epoche des Vereins. Von 1983 bis 1985 kickte Zico in Italien bei Udinese Calcio, doch er kehrte bald wieder nach Rio zurück. Nach einem Jahr in der Politik als Nationaler Sekretär für Sport wechselte er 1991 nach Japan. Bei den Kashima Antlers beendete er 1994 seine Karriere.

Mit der Selecao lief es für ihn nicht so gut. Sein bestes Ergebnis bei einer WM war der dritte Platz bei der ersten Teilnahme 1978 in Argentinien, doch damals zählte er noch zur Reserve. 1982 in Spanien galt das Team als Favorit, scheiterte trotz glanzvoller Ballpassagen und feiner Tricks aber früh am späteren Weltmeister Italien. „Ich bin froh, dass ich in einer solchen Mannschaft spielen durfte“, sagte Zico. „Man erinnert sich überall an uns. Aber wirklich glücklich wäre ich natürlich über den Titelgewinn gewesen.“ Doch den gab es auch 1986 in Mexiko nicht.

Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete Zico als Trainer. Der Höhepunkt war sicher die Zeit als Coach der Nationalelf Japans - von 2002 bis 2006. Anfang 2014 beendete er sein bis dato letztes Engagement bei Al-Gharafa im Katar.

Derzeit ist Zico im Organisationskomitee der WM aktiv. „Ich hoffe, dass die brasilianische Selecao das eine Spiel hier austrägt und den Fans den Titel schenkt“, sagte er kürzlich im Maracana, wo am 13. Juli das Finale steigt. 333 Treffer hat Zico in dem weltbekannten Stadion erzielt, ein Rekord. Auch deshalb gilt er bei Flamengo als das „Idol aller Zeiten“.