Fußball-WM: Porträt Ronaldo - Vom Starstürmer zum Sportmanager

Wien (APA/dpa) - Fast zwei Jahrzehnte lang stürmte Ronaldo für Top-Clubs in Europa und die brasilianische Nationalmannschaft. Er war dreimal...

Wien (APA/dpa) - Fast zwei Jahrzehnte lang stürmte Ronaldo für Top-Clubs in Europa und die brasilianische Nationalmannschaft. Er war dreimal Weltfußballer (1996, 1997, 2002), zweimal Weltmeister (1994 und 2002) und ist mit 15 Treffern immer noch WM-Torschützenkönig - „Il Fenomeno“ (das Phänomen) ist einer der erfolgreichsten Spieler der Geschichte und auch bei der Heim-WM dabei - wenn auch nicht auf dem Rasen.

Als der Zeitpunkt für den Abschied kam, machte sich aber auch die Knochenarbeit als Profifußballer bemerkbar. „Ich möchte weitermachen, aber ich kann nicht mehr“, gestand Ronaldo im Februar 2011, als er seine aktive Karriere beim brasilianischen Club Corinthians beendete. „Zum Schluss war es nur noch ein Kampf gegen die Waage und die Schmerzen.“

Ronaldo Luis Nazario de Lima gehörte zu den brasilianischen Spielern, die früh nach Europa wechselten, dort Karriere machten und mit höchsten Ablösesummen gehandelt wurden. Er spielte für Spitzenvereine wie PSV Eindhoven, den FC Barcelona, Inter Mailand, Real Madrid und AC Milan. Für die Selecao nahm er an vier Weltmeisterschaften teil - 1994 und 2002 holte er mit Brasilien die WM-Titel Nummer vier und fünf, 1994 in den USA spielte er allerdings keine Minute. Am 30. Juni 2002 beim 2:0-Finalsieg über Deutschland war er dafür mit zwei Treffern der Matchwinner und führte Brasilien so zur „Penta“, dem fünften Titel.

Seine bitterste Stunde erlebte er wohl fast genau vier Jahre davor. Vor dem 0:3-Debakel im WM-Endspiel 1998 gegen Gastgeber Frankreich im Stadion von St. Denis wurde der damals 21-Jährige am Vorabend von epilepsieartigen Anfällen heimgesucht. Der Grund wurde nie wirklich geklärt, auch nicht, warum er trotzdem im Finale auflief und seine Gesundheit riskierte. Danach wurde er oft von Verletzungen geplagt. Vor allem die Patellasehne am linken Knie machte ihm zu schaffen. Immer wieder musste er sich wochenlang, zum Schluss sogar über Monate, behandeln lassen.

Auch abseits des Spielfeldes geriet Ronaldo in die Schlagzeilen. 2008 sorgte ein Skandal in Rio für Aufsehen, als er sich mit drei Prostituierten traf, bei denen es sich aber um Transvestiten handelte. „Ich habe den dümmsten Fehler meines Lebens begangen“, sagte Ronaldo anschließend im Fernsehen. Die Medien beobachteten zudem auch penibel das Gewicht des Stürmers, der zum Karriereschluss etwas beleibter über das Spielfeld hastete und deshalb spöttisch „O Gordo“ (Der Dicke) gerufen wurde.

Ende 2012 ging Ronaldo den Kampf gegen die Pfunde offensiv an und setzte sich drei Monate auf Diät. „Ich habe eine ziemlich schlechte Beziehung zur Waage. Das ist ein Trauma“, räumte er ein. Am Schluss der PR-Aktion im Fernsehen zeigte die Waage nur noch 101,05 Kilogramm - rund 17 Kilogramm weniger. In seiner Funktion als Sportmanager muss er nun weniger aufs Idealgewicht achten.

Der Name seiner Sportmarketingfirma „9ine“ geht auf seine Rückennummer 9 zurück. Partner ist der PR-Gigant WWP, in dessen Londoner Zentrale Ronaldo oft zu Gast ist, seitdem er dort einen Teil des Jahres verbringt und bei WWP eine Art Praktikum in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Werbung absolviert. Das Wissen kann er in Brasilien gut einsetzen: Ronaldo fehlt auf keiner wichtigen Pressekonferenz, wenn es um die Fußball-WM geht.

Der zweimalige Weltmeister ist prominent an den Planungen für die zweite Heim-WM in Brasilien beteiligt, denn er sitzt im Aufsichtsrat des lokalen Organisationskomitees. Das soll aber nicht die letzte Karrierestation sein. Auch höhere Weihen - etwa den Chefposten beim mächtigen nationalen Fußball-Verband (CBF) - könnte sich Ronaldo vorstellen. „Ich habe jetzt nicht die Absicht, aber ich hätte keine Angst. Es wäre sogar eine sehr gute Herausforderung für mich“, sagte er Anfang dieses Jahres.