Kongolesischer Erzbischof: „Paradies, in dem die Engel verhungern“

Wien/Kinshasa (APA) - Im an Bodenschätzen reichen Nordosten der Demokratischen Republik Kongo kommt es seit Jahren immer wieder zu gewaltsam...

Wien/Kinshasa (APA) - Im an Bodenschätzen reichen Nordosten der Demokratischen Republik Kongo kommt es seit Jahren immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Rebellengruppen und Soldaten. „Wir leben in einem Paradies, in dem die Engel verhungern“, sagte Fancois-Xavier Maroy Rusengo, Erzbischof der Diözese Bakavu, bei einer Pressekonferenz der Päpstlichen Missionswerke (Missio) am Montag in Wien.

Wegen seiner strategisch wichtigen Lage in Zentralafrika und der Vielfalt an Bodenschätzen - etwa Diamanten, Gold und Coltan - kommt es vor allem im Nordosten des Landes immer wieder zu schweren Unruhen. „Die Rebellengruppen morden und beuten die Bodenschätze für ausländische Nutznießer aus“, erklärte Maroy Rusengo, auf den aufgrund seines Engagements in der Region bereits mehreren Attentate verübt wurden. Multinationale Konzerne würden die ansässigen Rebellengruppen missbrauchen, um die Bodenschätze steuerfrei ins Ausland transportieren zu können.

Die häufigen Übergriffe auf die zivile Bevölkerung haben bereits tausende Kongolesen zur Flucht in Nachbarländer oder nach Europa getrieben. „Im Augenblick sind zahlreiche Dörfer menschenleer. Die Leute fliehen vor Gewalt, Hunger, Vergewaltigung und suchen ihr Glück in den Städten oder im Ausland“, so Maroy Rusengo. Erste Opfer der Kämpfe sind laut dem kongolesischen Priester Justin Nkunzi immer Frauen und Kinder: Sie würden zu Witwen oder Waisen gemacht, vergewaltigt, Kinder könnten die Schule nicht besuchen und würden zudem von bewaffneten Gruppen zwangsrekrutiert. „Wir beten oft zu Gott, dass er die Mineralien und Bodenschätze wegnimmt, weil sie unsere Bevölkerung umbringen. Wir wollen lieber arm sein, aber dafür in Frieden leben“, sagte Nkunzi.

Um auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam zu machen, startet Missio die Kampagne „Fremde.Heimat.Kirche“. „Flüchtlinge haben keine Lobby. Wir dürfen sie nicht immer nur aus der politischen Perspektive betrachten, sondern müssen auch unsere persönliche Verantwortung ihnen gegenüber erkennen“, erklärte Missio-Nationaldirektor Leo Maasburg. Laut Monika Schwarzer, Leiterin der Bildungsabteilung von Missio, kann man sich die Bedingungen einer Flucht hierzulande nicht vorstellen: „Wir hören immer nur Zahlen, Daten und Fakten, die sehr abstrakt bleiben.“

Um sich selbst in die Situation einer Flucht versetzen zu können, startet der „Missio-Truck“, eine multimediale und interaktive Ausstellung, deshalb eine Tour durch Österreich. „Man befindet sich dabei virtuell auf einem Marktplatz im Ostkongo. Plötzlich eskaliert die Lage und man muss flüchten. In kürzester Zeit gilt es zu entscheiden: Was tue ich und was nehmen ich mit.“ Jugendliche können auch in einem Kreativwettbewerb der Frage nachgehen, was Flucht und Fremde für sie bedeutet.

(S E R V I C E: Nähere Informationen zur Missio-Kampagne und Terminen des „Missio-Trucks“ unter www.missio.at/flucht)