Hochwasser - Wenn Sandsäcke zur Mangelware werden

Belgrad/Sarajevo (APA) - Sandsäcke seien dringend ins Sammelzentrum in Neu-Belgrad zu bringen. So lautete am Montag eine Eilmeldung des serb...

Belgrad/Sarajevo (APA) - Sandsäcke seien dringend ins Sammelzentrum in Neu-Belgrad zu bringen. So lautete am Montag eine Eilmeldung des serbischen Innenministerium, die von lokalen elektronischen Medien immer wieder wiederholt wurde.

Freiwillige würden gebeten, sich beim städtischen Roten Kreuz zu melden. Arbeitskräfte wurden auch an der Mündung der Save in die Donau in Belgrad gesucht, dort wo sich beim Schönwetter normalerweise beliebte Treffpunkte der städtischen Jugend befinden. Es galt Schutzdämme zu bauen, die verhindern sollten, dass ein beträchtlicher Teil Neu-Belgrads, eines des größten Wohngebiete der serbischen Hauptstadt, überflutet werden.

In Samac, wo die Gefahr bereits gebahnt schien, wurde am Montag die Evakuierung umliegender Dörfern angeordnet. Die Save habe die Schutzdämme durchbrochen, hieß es.

In Krupanj würden zunächst keine Medikamente mehr gebraucht, dafür aber Kleidungsstücke und Nahrung, berichteten Medien. Die Kleinstadt im serbischen Macva mit knapp 5.000 Einwohnern war bis Samstagabend völlig von der Umwelt abgeschnitten worden. Das Bild der von mehreren Kleinflüssen in der Stadt angerichteten Katastrophe kam am Sonntag an den Tag - zerstörte Häuser und drohende Erdrutsche, die andere Häuser mitzureißen drohten. Ihr ganzes Leben sei in wenigen Minuten zerstört worden, berichteten betroffene Stadteinwohner.

Smederevska Palanka an der Donau habe sei fünf Tagen kein Trinkwasser mehr. Betroffen seien 30.000 Menschen. Die zu einem der führenden städtischen Betriebe gehörende Ambulanz sei geplündert worden, meldete der Sender „B-92“.

Die Angst, dass sie bei der Rückkehr nicht nur durch die Überschwemmung beschädigte, sondern auch geplünderte Wohnungen und Häuser vorfinden würden, hatte in den vergangenen Tagen dazu geführt, dass sich etliche Menschen geweigert hatten, sich in Sicherheit bringen zu lassen. Die Polizei werde „brutal“ auf Raubzüge in den überschwemmten Regionen reagieren, erklärte Innenminister Nebojsa Stefanovic am Montag.

In der weiterhin größtenteils unter Wasser stehenden Stadt Obrenovac wurden am Wochenende Sonderpolizei-Einheiten eingesetzt, um Plünderungen zu verhindern. Die Rückkehr in die Stadt wird erst in ein paar Tagen möglich sein, bis Sondereinsatzkräfte von Militär und Gesundheitsministeriums die gröbste Desinfektion vorgenommen ist. Veterinärdienste, die Viehkadaver beseitigen, sind seit Sonntag unterwegs.

In Bosnien wurden unterdessen 2.000 Orte ausgemacht, an denen Erdrutschstelle drohen, hieß es am Montag.