Filipinas von Diplomaten aus Kuwait in Polen wie Sklavinnen gehalten

Warschau (APA) - Eineinhalb Jahre soll ein Attache der kuwaitischen Botschaft in Warschau zwei von den Philippinen stammende Dienstmädchen i...

Warschau (APA) - Eineinhalb Jahre soll ein Attache der kuwaitischen Botschaft in Warschau zwei von den Philippinen stammende Dienstmädchen in seiner Residenz eingesperrt haben. Das berichtete am Montag die „Gazeta Wyborcza“. Im März sei eine von ihnen entkommen und habe bei einer Frauenorganisation Zuflucht gefunden. Der Diplomat wird nicht bestraft, weil die diplomatische Immunität ihn schützt.

May und Lisa arbeiteten dem Bericht zufolge sieben Tage pro Woche je bis zu 16 Stunden. Sie kochten, räumten auf und sorgten für die Kinder. Seit sie im Sommer 2012 nach Polen kamen, hätten sie keinen arbeitsfreien Tag gehabt. Zum Essen bekamen sie laut „Gazeta Wyborcza“ zwei bescheidene Mahlzeiten am Tag - Abendessen nur, wenn vom Mittagessen etwas übrig blieb. Sie durften die Residenz nicht allein verlassen; ihre Pässe waren ihnen weggenommen worden.

Der Attache zahlte den Frauen 800 Zloty (190,91 Euro) pro Monat, das Geld habe er immer an deren Eltern auf den Philippinen geschickt. Im September 2013 soll er aber überhaupt nichts mehr gezahlt haben. May leide zwei Monate nach der Flucht nach wie vor an einem Trauma. Die Hilfsorganisation La Strada, die sich gegen die sexuelle Ausbeutung von Frauen einsetzt, und das polnische Außenministerium haben laut der Zeitung keine Zweifel, dass man in dem Fall von Sklaverei sprechen kann.

Nachdem der kuwaitische Vertreter in das polnische Außenministerium gerufen worden war, schickte der Diplomat das zweite Dienstmädchen auf die Philippinen zurück. Er erklärte, er habe die Frauen wie Töchter behandelt. Seiner Meinung nach floh May, weil sie psychiatrische Probleme hatte. Das Außenministerium berechnete, dass der Kuwaiti seiner Hausangestellten fast 100.000 Zloty (23.864,07 Euro) für unbezahlte Überstunden und fälligen Urlaub schuldig ist.

Einen derartigen Fall hat es in Polen bisher nicht gegeben. Gemäß der Genfer Konvention kann sich jeder Diplomat aus dem Ausland persönliches Personal holen. Weder Polizei noch Migrationsbehörden dürfen in Residenzen von Diplomaten eindringen, weil sie als exterritorial gelten. Damit sich der Fall in Polen nicht wiederholt, hat das Außenamt Regelungen geändert: Dienstpersonal von Auslandsvertretern darf nur noch aufgrund von Arbeitsverträgen eingestellt werden, die vom Ministerium vorbereitet wurden. Sie dürfen auch nicht weniger als den polnischen Mindestlohn (1.600 Zloty brutto) verdienen, und die Botschaft muss Bedienstete versichern. Darüber hinaus müssen die Angestellten jedes Jahr persönlich im Außenministerium Dokumente abholen, in denen sie über ihre Rechte informiert werden. Sie erhalten dabei auch Kontaktdaten zu Institutionen, wo sie sich über ihren Arbeitgeber beschweren können.