Stichwort: Das deutsche Rentenpaket ist geschnürt

Berlin (APA/Reuters) - In Deutschland ist der Weg für die umstrittene Pensionsreform von CDU, CSU und SPD frei. Die Fraktionsspitzen der Koa...

Berlin (APA/Reuters) - In Deutschland ist der Weg für die umstrittene Pensionsreform von CDU, CSU und SPD frei. Die Fraktionsspitzen der Koalitionspartner vereinbarten am Montag bei einem Treffen, an dem auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) teilnahm, letzte Korrekturen am Gesetzentwurf. Der Bundestag soll das Gesetz am Freitag beschließen. Die Neuregelungen treten zum 1. Juli in Kraft.

MÜTTERRENTE: Etwa zehn Millionen Mütter oder Väter erhalten für ihre Kinder, die vor 1992 geboren wurden, einen Rentenpunkt mehr. Das erhöht im Westen die Rente um 28,61 Euro pro Kind im Monat und im Osten um 26,39 Euro. Da die Umstellung Zeit kostet, werden viele erst im Oktober oder später mehr Geld auf dem Konto haben. Die Erhöhung wird dann rückwirkend ausgezahlt. Auf ein Jahr bezogen kostet die höhere Mütterrente 6,7 Milliarden Euro. Bezahlt wird dies überwiegend aus Beitragsmitteln statt Steuern.

ABSCHLAGSFREIE RENTE MIT 63: Wer 45 Jahre lang Beiträge gezahlt hat, kann mit 63 Jahren ohne Abzüge in den Ruhestand gehen. Für ab 1953 Geborene steigt die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Für den Jahrgang 1964 liegt sie somit bei 65 Jahren.

Zeiten der Arbeitslosigkeit werden unbegrenzt als Beitragsjahre mitgezählt, wenn Anspruch auf das reguläre Arbeitslosengeld I bestand. Aber Arbeitslosigkeit in den letzten beiden Jahren vor dem Renteneintritt wird nicht berücksichtigt, um Frühverrentungen mit 61 zu vermeiden - es sei denn, der Arbeitsplatz geht wegen der Pleite des Arbeitgebers oder wegen der Betriebsaufgabe verloren.

Die Kosten wachsen von etwa 900 Millionen Euro 2014 auf 3,1 Milliarden im Jahr 2030. Auch freiwillige Beiträge zur Rentenkasse werden begrenzt berücksichtigt. Dadurch steigen die Kosten laut Nahles für zwei Jahre um etwa 100 bis 200 Millionen Euro jährlich.

ERWERBSGEMINDERTE: Für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen früher in Rente gehen, wird die Erwerbsminderungsrente so berechnet, als ob sie bis zum Alter von 62 Jahren Beiträge entrichtet hätten. Bisher waren es 60 Jahre. Das bringt monatlich etwa 40 Euro mehr. Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente für Neuzugänge liegt bei 600 Euro. Die Kosten steigen von voraussichtlich 100 Millionen Euro im Jahr 2014 auf etwa 2,1 Milliarden Euro im Jahr 2030.

ARBEITEN ÜBER DAS RENTENALTER HINAUS: Arbeitnehmern soll erleichtert werden, über das Erreichen der Regelaltersgrenze von derzeit 65 Jahren und drei Monaten hinaus zu arbeiten. Bei Einvernehmen mit seinem Arbeitgeber kann er vor dem Rentenbeginn den Ruhestand hinausschieben. Arbeitgeber müssen dann aber weiter Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen. Dies wird in diesem Gesetz geregelt. Eine Arbeitsgruppe soll in den kommenden Monaten weitergehende Erleichterungen prüfen. Sie soll auch prüfen, ob es dabei bleibt, dass Hartz-IV-Empfänger gegen ihren Willen in Rente geschickt werden können.